AC/DC In der Olympiahalle, München


Wie sagt Alvy Singer nach dem ersten Sex mit Annie Hall? „leb habe noch nie so viel Spaß gehabt, ohne zu lachen.“ Nun verbietet es sich natürlich schon aus Abgcschmacktheitsgrijndcn, ausgerechnet ein Konzert von AC/DC mit einer erotischen Erfahrung zu vergleichen (brrr!). Aber der Spaß, den man immer wieder und immer noch, nach all den Jahren, mit dieser Band haben kann, ist enorm und von einer puren Frische, die das Gemüt durchpfeift wie aus den elysischsten Athern der Sorglosigkeit herbeigeweht. Gut: Es hilft, wenn man eine Halbe Bier getrunken hat, muss aber nicht. Oder zwei. Es hilft auch sehr, wenn man sich frei macht von dem angemoderten Dogma, dass alte Männer keinen Rock spielen sollten/dürfen (es ist 2009; bitte denken Sie zeitgemäß). Und es hilft, wenn man AC/DC-Fan ist. Es reicht aber auch ein williges Ohr und Sinn für großartigen Krach. Um sich von dieser urkräftig dröhnenden, rollenden, klingelnden Musik einen Kick zu holen, braucht’s im Grunde genau so wenig Attitüde, wie um sich von einer Beethoven-Sinfonie überwältigen zu lassen. Es ist halt erst mal, nun: geile Musik. Und dann ist da diese drolligste, verschrobenste und, ja, liebenswerteste aller aktiven „Großbands“. Ganz alte Schule, gänzlich kreditwürdige, no-bullshit Malochertypen. Eine Band, die Simplizität und Konstanz zur Kunstform erhoben hat und sich mit dem Showman-Ethos eines alten Tingeltangel-Haudegens noch einmal selbst zur Aufführung bringt; ein deftig unterhaltsames Stück mit allem Pipapo: den hübsch doofen Running Gags, comichaften Pubertismen, aufblasbaren Puppen, und, ja, einem Striptease des Lead-Giurristen-ein uraltes Albernheits-Pflichtritual, das Angus Young, gepflegte 54, mit geradezu würdiger Süffisanz absolviert. Die Lauf wege des legendär Hyperlebhaften sind nicht mehr so lang, aber er fährt immer noch in seine Gitarre hinein – und sie in ihn -, dass er streckenweise wie in Trance wirkt. Spätestens bei „Thunderstruck“ – Lied sieben von i nsgesamt 19 – badet er in Schweiß und vollführtseineeigcntümlicheSchnappatmungs-Mimik im Rhythmus seiner Gitarrenergüsse, als würde er die Töne mit dem Mundwerk mitformen. Brian Johnson, nicht mehr der Kerngesündeste, verzichtet auf Sperenzchen – kein Angusrumtragen mehr, kein Schaukeln an der „Heils Bclls“-Glocke, die nur kurz von der Bühnendecke abgesenkt wird wie eine Monstranz -, aber er hat Druck im Schreihals, trifft die Töne und ist ganz augenrollendjoviale Onkeligkeit. Die anderen drei – Riffchef Malcolm Young (vogelscheuchig grinsend), Bassist Cliff Williams (die Unauffälligkeit) und Drummer Phil Rudd (neu: mit reduziertem Kippenverbrauch) – spielen so effektiv und abgefeimt ihren Stiefel, wie man einen Stiefel nur spielen kann. Es regiert umfassende Tightness, es beißen die Riffs, es gleißen die Soli, es pumpt diese archaische Rockmusik, die nicht altert, weil sie schiere Energie ist, die — wie von der Urmetapher dieser Band seit 35 Jahren reklamiert – sozusagen wortwörtliche Übersetzung von elektrischem Strom in Musik. Die Klassiker erstrahlen in Großartigkeit – bis auf „Hell ’s Beils“, das sie rätsclhafterweise, als wüssten sie nicht um die Qualitäten eines ihrer größten Live-Hits, den Tick zu schnell spielen, der dem Song seine Wucht raubt -, die paar neuen Songs im Set haben zumindest immer ein verlässlich okayes Riff zu bieten. Durchgenudelt und erfrischtstolpertmanirgendwannaus der Halle in wirrer Kontemplation der Möglichkeit eines empirischen Nachweises, dass „Let There Be Rock“ der beste Rock’n’Roll-Song aller Zeiten ist. Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Und doch auch noch gelacht dabei.

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