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David Bowie: Wie seine Musik und Persönlichkeit Mode, Film und Malerei beeinflusste

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Dass David Bowie die visuellen Künste inspiriert, liegt auf der Hand. Mit Kostümen, Make-up und Mienen ist er eine ideale Figur für Mode, Fotografie, Malerei. Weniger bekannt, aber sehr imponierend und wirklich lustig ist Bowies Auftritt als Comedian. Zurück ins Jahr 2006, Ricky Gervais ist noch nicht der bitterböse Golden-Globe-Moderator, sondern noch das britische Pummelchen, auf dem sein Comedy-Ruhm basiert. Mit seiner vorzüglichen zweiten TV-Serie „Extras“ beschreibt er das armselige Leben eines Filmstatisten; in jeder Folge treten dabei echte Schauspielerberühmtheiten auf, die sich zumeist selbstironisch als eitle Dummschwätzer entlarven. In einer Folge der zweiten Staffel hat es Gervais’ Figur Andy Millman scheinbar geschafft: Der ewige Statist hat eine eigene Sitcom gelauncht, das Publikum liebt das alberne Bauerntheater. Millman könnte glücklich sein, aber er hasst sein neues Leben. Weil er weiß, dass er den Leuten niveaulose Scheiße verkauft.

Voller Selbstmitleid geht er mit seiner Kollegin in eine Bar, wo er auf David Bowie und seine Entourage trifft. Millman erhofft sich vom Superstar Verständnis für seine Probleme. Bowie nickt ein paar Mal verständnisvoll, geht ans Piano und improvisiert den Song über den „Little fat man who sold his soul …“ Und am Ende singt die ganze Bar mit: „See his pug-nose face – pug, pug, pug, pug“.

Bowies Songs können ganze Serienwelten entstehen lassen; Mystery-Serien natürlich.

Zwei Jahre zuvor zeigt Wes Anderson, dass Bowie-Songs auch in exotischen Versionen die Atmosphäre eines Spielfilms bestimmen können. Der Ästhet unter den Indie-Regisseuren engagiert für „Die Tiefseetaucher“ den brasilianischen Sänger Seu Jorge, der Bowies Klassiker ins Portugiesische übersetzt und alleine zur Gitarre singt. Die Songs prägen den Film, Bowie zeigt sich begeistert: Seu Jorge habe den Songs „eine neue Dimension von Schönheit“ geschenkt.

Dass Bowies Songs ganze Serienwelten entstehen lassen können, zeigt die BBC-Mystery-Krimi-Serie „Life On Mars“. Ein Cop wird aus der Gegenwart ins Jahr 1973 zurückgeschleudert, Bowies Song „Life On Mars“ ist gerade erschienen. Die Serie zeigt Manchester in den 70er-Jahren, die Bowie-Songs plärren aus den Radiolautsprechern, doch das Land ist noch gar nicht so weit: Schwarze und Frauen werden von weißen Bierbauch-Patriarchen diskriminiert. Bowies überirdische Musik hätte diese Männer eigentlich komplett ratlos machen müssen. Und dennoch singen sie mit, selbst die Zeile, die ihnen gewidmet sein könnte: „Look at those cavemen go“. Das Sequel „Ashes To Ashes“ erzählt die Serie dann im Jahr 1982 weiter.

In Schätzings „Limit“ wird Bowie das Angebot gemacht, auf den Mond zu reisen. Er sagt ab: Sein Leben sei heute viel irdischer als früher.

Manchmal begegnet man Bowie auch unverhofft. Zum Beispiel in Frank Schätzings Literatur-Blockbuster „Limit“. Die Story spielt im Jahr 2025, der Superstar-Senior David Bowie gibt ein Konzert auf der Weltraumbasis OSS, singt dort natürlich „Space Oddity“. In Schätzings Plot plündern die Menschen den Mond zur Energiegewinnung. Bowie wird das Angebot gemacht, auf den Trabanten zu reisen, er sagt aber ab: Sein Leben sei heute viel irdischer als früher. Dass Schätzing tatsächlich großer Bowie-Fan ist, beweist er nach dessen Tod mit einem persönlichen Nachruf: „Everything has changed. Nothing has changed.“

Während der große Bowie-Roman vielleicht noch erscheinen wird (Autorentipp: Bret Easton Ellis), ist er als Comic-Figur längst etabliert. Für seine „Sandman“-Serie gibt Neil Gaiman der Lucifer-Figur den Look von Bowie. Der Höllenfürst sieht nicht nur wie der Superstar aus, sondern besitzt zudem eine vielfältige Persönlichkeit: Gaimans Teufel ist höflich, gebildet, stylish, aristokratisch – und eben auch noch böse. 2015 veröffentlicht Gaiman außerdem die illustrierte Erzählung „The Return Of The Thin White Duke“, zu finden in der Sammlung „Trigger Warning“.

Natürlich hat auch die große Popkulturreferenzmaschine „The Simpsons“ Bowie nicht ignoriert. Seine Songs laufen an mehreren Stellen. Direktor Skinner erzählt in einer Episode von einer Katze mit verschiedenfarbigen Augen namens Bowie. Es gibt Homer im Look von Aladdin Sane – und eine Episode von 2013, in der Alan Rickman (am 14. Januar, vier Tage nach Bowie, an Krebs gestorben) als Professor Snape auftritt. Und dazu läuft David Bowies „All The Young Dudes“ in der Version von Mott The Hoople.

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