Die Ärzte


Ausgeflippte Teenager. Entsetzte Moralwächter. Ein Split am Zenit des Erfolges. Ein triumphales Comeback. Die Ärzte bitten zur Geschichtsstunde.

Zwei Bands hatten schon gespielt. Die Bühne war eine einzige Sauerei. Aus England kam gerade das Rockabilly-Revival rüber, und da war es das ganz große Ding, daß die Leute Mehl, Eier und Kuchen und all so Zeug mitbrachten und auf die Bühne schmissen. Was dann die Punks dazu brachte auch noch mit Bier zu kippen. Dann kamen wir, spielten erstmal als unsere eigene Vorband mit angeklebten Bärten ‚Ich hab den Blues im linken Fuß‘, einen Song, den wir auf dem Weg zum Gig im Bus geschrieben hatten. Danach hab ich noch allein so ’nen Gruftie-Song als  Schlager gesungen. Dann km Jan auf die Bühne und hat erstmal einen Liter Milch ins Publikum gekippt. Und zwar auf den Steil aufragenden Irokesen eines Jungpunkrockers namens Anal.Der ist rauf und hat Jan geschubst, der natürlich über die ganze Bühne schlitterte. Ich hab mich beim Sticksaufsammeln noch totgelacht., bis ich sah, wie Anal und Sahnie prügelnd von der Bühne fielen…“ Bela B. erzählt von früher von einem legendären Früh-80er Ärzte-Auftritt im Düsseldorfer Ratinger Hof, einem Konzert, wie sie so damals wohl nicht einmal für die verrückten Berliner an der Tagesordnung waren. „Die haben dann noch versucht , unseren Bus anzuzünden. Später hieß es noch, Campino – die Toten Hosen waren komplett da – hätten uns gerettet. Der war weit davon entfernt. Der stand an der Bar und hat sich gefreut…“-„Kurz gesagt“, resümiert Farin Urlaub grinsend den Redefluß seines Kollegen, „es waren lustige Zeiten!“

Und genau um über diese zu reden, sitzen wir hier zusammen in diesem schnuckeligen Hamburger Restaurant, Farin Urlaub alias Jan Vetter, Bela B. alias Dirk Felsenheimer – Bassist Rod hat sich frei genommen  und ist bei seiner Freundin in Berlin – und ein Interviewer, der sich mehr und mehr wie ein Publikum vorkommt, während er verfolgt, wie sich die beiden Chefärzte die Bälle zuspielen und erzählen, und erzählen und erzählen. Wie ein amüsantes altes Ehepaar, das sich durch und durch kennt, sich aber nie überdrüssig geworden ist. Dazu war die Ehe bisher zu aufregend. Eigentlich haben die beiden ja keine Zeit, hier rumzuhocken. Man steckt gerade mitten im Abmischen. „13“ wird es heißen, und außer, das es „supergeil“ wird, will Farin noch nichts verraten. „Soviele Songs wie diesmal hatten wir noch nie zur Auswahl. 32 Stück…“ – „Wobei das natürlich ne langweilige Geschichte ist“, winkt Bela  ab, „jede Band kommt an ‚Ey wir hatten 40 Songs zur Auswahl’…“- „Aber Moooment! Wir hatten 32 Ärzte-Songs“ – mit vor kindlicher Freude leuchtenden Augen hebt Farin Urlaub den Zeigefinger – „Hier: der direkte Draht zu Gott!“ Keine Frage: der Mann ist begeistert. „Es passiert gerade ziemlich viel auf einmal“, erklärt Farin seine Überdrehtheit, „wir müssen die Platte fertig  mischen, das Cover abnehmen, das Video abnehmen, jetzt gibt es auch bald noch diesen Comic über uns, den müssen wir auch abnehmen, wir müssen die Tour langsam vorbereiten…“ – daß Die Ärzte mit der letztes Jahr gegründeten Firma Hot Action Records auch och ihr eigens Plattenlabel zu leiten haben, macht den Streß nicht kleiner – Aaaaargh! Ich frag‘ mich, wie Madonna das alles macht…“-Hier, kuck mal. Boris Karloff.“ Bela hat einen seiner Ringe vom Finger genommen. „Das ist eine Nachbildung des Ringes Karloff in ‚Die Mumie‘ getragen hat“, erläutert der Horror-Fan und manische Sammler  stolz, „die grüne Faser, die hier eingeklebt ist, stammt von Originaltuch, in das Karloff eingewickelt war. Cool, oder? Ha!“ Meine Herren, wir schweifen ab.  „Abschweifen? Ich  kann auch ausholen“, bietet Bela an. Dann mal los…

„Wir haben die Ärzte aus ’ner Notsituation heraus gegründet“, fängt Farin an. „1980/81 ist die Punkmusik in Berlin immer starrer geworden.“-„Es gab  ein Thema gegen das System“- Bela übernimmt – „Und da gab’s die  primitivere und die intelligentere Fraktion. Wir – Soilent Grün, ’ne Band, die ich irgendwann gegründet hatte, nachdem ich …ähm…verschiedene Anläufe, irgendwelche Berufe zu erlernen, gemacht hatte – waren so mittendrin. Wir hatten ’n paar Politsongs und ein paar Quatsch-Songs.“ Farin grinst süffisant: „Dann kam ick in die Band…“ – Dann hab ich den Kollegen kennengelernt, der hatte dann nur Quatsch-Songs. Großartige Hits. ‚Der Erwin hat keine Arme und Beine‘, ‚FDJ-Punks‘- das war’n ganz großer Szene-Hit. Man muß dazusagen, die Mauer stand noch, die Zeiten waren selig.“ – „Politisch Unkorrektes“, freut sich Farin.

Da hatten sich zwei gefunden, die in ihrer Verschiedenheit füreinander geschaffen waren. Der dauergrinsende, drogenabstinente Quasi-Intellektuelle Farin, und Bela B., der tätowierte Metal-Fan („Mein Comeback zu Heavy Metal hatte ich, da hab ich Drogen genommen auf ’ner Judas Priest-Platte“-„Auf’ner Judas Priest…?“- „Najaaa… Drogen, die man halt so legt… Don’t try this at home, kids!“) mit dem gefährlichen Gossen-Touch – eine Art Glimmer Twins des Punkpop. „Wir sind so verschieden“, erklärt Bela, „wir sind Schwarz und Weiß und brauchen einfach immer nur ’nen Katalysator – das ist immer der Bassist.“ Bald waren Soilent Grün aufgelöst, mit Hans „Sahnie“ Runge der Katalysator gefunden und die Ärzte gegründet. „Zuerst nur in der Theorie“, erinnert sich Farin, „wir verklebten überall selbstgemachte Aufkleber: ‚Bald: Die Ärzte‘. Wir hatten keine Kohle-und das ist noch geprahlt – aber auch keinen Bock auf ein normales Leben. Wir haben gesagt: laß‘ uns irgendwas richtig absurdes machen. Alberne deutsche Texte mit Popmusik – was wir damals für Popmusik gehalten haben. Und das ganze unter der Idee: Wir tun so, als wären wir Popstars. So kackfrech: Wir spielen weiter für die Punks, aber wir sagen ‚Hey, wir sind was besseres, wir sind Popstars!‘ Ich bin dann in Urlaub gefahren, und als ich wiederkam, hatten wir eine Woche später unser erstes Konzert, hatten aber noch nie zusammen gespielt. Dann haben wir in einer Woche 24 Stücke geschrieben und eingeprobt. War also relativ cool…“ Das Chaos bekam Methode. Nach einigen Indie-E.P.s und -Singles kam 1984 ein Plattenvertrag mit CBS, heute Sony, zustande. „Wir waren eigentlich schon abgelehnt“, erzählt Farin, „dann haben sie uns fünf Tage Studiozeit gegeben, wir sollten unsere drei besten Songs aufnehmen. Danach wollten sie entscheiden. Wir haben in der Zeit dann zehn Songs aufgenommen. Damit haben wir sie überzeugt. Die haben halt gemerkt: Okay, billige Band! Aber die meisten Leute da haben eigentlich kaum Notiz von uns genommen. Die Sekretärinnen haben sich vor uns geekelt…’Iiihh, die Ärzte. Die waschen sich bestimmt nie!'“ Mittlerweile hatte die Jugendpresse die „Beste Band der Welt“, wie man sich mit dem Selbstbewußtsein waschechter Popstars nannte, zu ihren Lieblingen erklärt. In der ganzen Republik hinterließen die Ärzte auf ihren sich ausdehnenden Tourneen kreischende Teenager. Intern kriselte es jedoch erstmals.

Mehr und mehr sorgten die Allüren von Bassist Sahnie zu Verstimmungen in der Band. Vor allem Bela konnte nicht recht mit dem businessorientierten BWL-Studenten. Spannungen, die den Schlagzeuger, der zu dieser Zeit darüberhinaus noch seine „persönliche Yoko Ono am Start hatte“ (Bela), Anfang’86 den Entschluß fassen ließen, aus der Band auszusteigen. Ein klären des Gespräch mit dem damaligen Manager Jim Rakete sowie der Einsatz des „so richtig harmoniebedürftigen“ Farin konnten das gerade noch verhindern. „Wir waren dann auf Tour“, erinnert sich Bela grinsend, „und da ging’s so, daß Jan immer zu mir kam, so auf die Tour: ‚lhr seid euch echt ähnlich, ihr solltet euch mal aussprechen‘, dann zu Hans, ‚Hey, ihr seid euch ähnlich…‘ Das war so richtig Soap-Opera-mäßig.“ Trotzdem waren für Hans Runge die Tage als Ärzte-Bassist bald gezählt. „Der hatte einen Höhenflieger“, meint Bela. „Er hatte keine Lust mehr, auf Platten Baß zu spielen – das sollten die Produzenten machen – hat aber gleichzeitig einen auf ‚Wir müssen ganz viel Geld verdienen‘ gemacht. Während der Aufnahmen zur dritten Platte hat er dann den Bogen einfach überspannt. Er hat sich mit Jan getroffen – mich hat er sowieso nie ernstgenommen – und gesagt: ‚Paß uff, wir beide führen diese Band an, und ich sag dir jetzt meine Bedingungen…“ „‚Ihr könnt mich nicht rausschmeißen, ihr braucht mein Gesicht'“, erinnert sich Farin kopfschüttelnd. „Zehn Minuten lang hat er mir so unfaßbares Zeug erzählt, da hat’s bei mir ‚klack‘ gemacht. Ich bin raus zur Telefonzelle, hab ihn angerufen: ‚Felse, ich hab ’ne gute Nachricht: Hans fliegt aus der Band‘, und er so: ‚Yeeeeahhhhh!!!!’“ – „Im Umkreis von zehn Kilometern hat man ein ganz großes ‚Strike!‘ gehört“, grinst Bela.

Ersatz fand man in „The Incredible“ Hagen Liebing, einem Bekannten von Bela: „Ich hatte Kontakt zu ihm, weil er mich mal für ein Fanzine nackt fotografiert hatte und ich die Fotos zurück wollte, nachdem wir bekannt wurden.“ – „Hagen war Felses Vorschlag“, erzählt Farin, „weil er wußte, daß ich mich sehr schwer auf neue Leute einstelle. Eine Band ist für mich was Initmes, da kann nicht einfach jeder mitspielen. Aber Hagen war wirklich sehr easy und nett…“ -….. und der einzige“, merkt Bela an, „der bei den Ärzten je einen Tour-Koller gekriegt hat. Der friedlichste Mensch, und plötzlich fing er an rumzuschreien und die Roadies mit Milch zu bewerfen.“ Hagen, auf der Basis eines „engagierten Musikers“ beschäftigt, sollte die bewegteste Zeit in der Ärzte-History miterleben.

Die Bedienung ist da. Noch einen grünen Tee für Farin, ein Pils für Bela. Tja, Leute, es wird Zeit, etwas anzusprechen, wonach sicher kaum jemals gefragt wird… „Die Zensur-Abteilung?“, stöhnt Farin. „Echt? Schon wieder?“ -„Ich geh‘ solange mal…“ Bela verabschiedet sich in Richtung Klo. „Jaja… Freunde!“ Farin grinst schief. Also? „Auf unserer dritten Platte hatten wir diesen Song ‚Geschwisterliebe‘, ein Live-Stück, das wir seit ’83 gespielt hatten. Den Text hab ich übrigens mit 15 geschrieben, ich fand das so lustig mit dem Wort ‚flachlegen‘ in den verschiedenen Deklinationen im Refrain. Mein Humor mit 15, ne… Wir hatten Bedenken, ob man so was auf Platte machen kann, aber die von der Plattenfirma haben gemeint, ‚das habt ihr doch jetzt schon so lange gespielt und ihr habt ja auch ein Lied über Hundeficken auf der ‚Debil‘, da hat sich auch niemand beschwert‘.“ Gemeint ist das berüchtigte „Claudia hat ’nen Schäferhund“. Beide Songs riefen 1987 die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften auf den Plan. „Plötzlich waren wir auf dem Index. Außer uns waren da nur Fascho-Bands drauf, also nicht unbedingt ’ne angenehme Nachbarschaft. Wir hatten keine Ahnung, was da jetzt die Konsequenzen sein würden, bis es dann bei TV-Auftritten und so hieß, ‚Redet mal lieber nicht über die Indizierung‘. Plötzlich waren wir ’ne schmutzige Band…“ – „…die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben“, – Bela ist wieder da – „was ich eigentlich cool fand. Ich fand eh immer, daß die Ärzte zu brav waren. Auf der Tour gab’s dann Demonstrationen gegen uns. Ich kam mir vor wie die Sex Pistols in ‚The Great Rock’n’Roll Swindle‘. In Nürnberg haben CSU, Grüne und Frauengruppen gemeinsam demonstriert, in Fulda gab’s ein Auftrittsverbot – die haben Plakatabreißer rumgeschickt. Fans von uns wurden vor den Konzerthallen von Frauenrechtlerinnen geohrfeigt das fanden wir dann weniger lustig…“ – „Und dann kam ja noch die Barschel-Geschichte“, merkt Farin an. Richtig, der große bayerische Fernsehskandal, als die Ärzte beim Liveauftritt in der Sendung „Live aus dem Alabama“ in München herumblödelten, das Publikum solle sich vor ihnen in acht nehmen, sie seien ja so böse, hätten auch eben erst „Barschel erschossen“… „Kurz vor dem Auftritt erreichte uns die Nachricht, daß Uwe Barschel tot aufgefunden wurde“- Bela zuckt die Achseln -„wir hatten keine Ahnung wie und was, wußten nur, daß der Typ ein Riesenarschloch war-das kannst du auch drucken! Edmund Stoiber (damals bayer, Innenminister, Anm. d. Red.) hat in einer Presseerklärung gesagt, er werde sich persönlich dafür einsetzen, daß wir keine Gage bekommen. Eine Woche später war das Geld aufm Konto. Soviel dazu, wenn Politiker in der Öffentlichkeit was versprechen…“

1987 standen die Ärzte vor einer neuen Situation. Erstmals mangelte es an Ideen für neue Songs. „Wir hatten acht Stücke oder so – aus heutiger Sicht natürlich Perlen“, witzelt Bela, „und unser Manager meinte nur ‚äh, Jungs, die wollen wir doch nicht allen Ernstes der Plattenfirma vorspielen? ‚War halt Schrott.“ Es kam zum „ersten Kompromiß in der Karriere der Ärzte“ (Bela), der Compilation „Ist das alles?“ mit nur zwei neuen Songs. Irgendwie fühlte man, daß die Luft raus war. „Wir waren an einem Punkt, der echt komisch war“, sinniert Bela, „wir waren ziemlich frustriert.“ Bei einem gemeinsamen Motocross-Urlaub auf Zypern schlug Farin dann die Radikal-Lösung vor. Bela erinnert sich mit einem schiefen Lächeln in Richtung Farin: „Ich hatte gerade meine ersten Motorradstunden, lag meistens am Boden. Blutend. Und da hatte er mich genau da, wo er mich haben wollte: ‚So! Übrigens! Wir lösen die Band auf!‘ Ich meinte, das könnte vielleicht ein Fehler sein, hatte aber auch keine Argumente. Und dann haben wir uns gesagt: Cool. Dann machen wir halt was Neues! Dann war’s das halt mit den Ärzten! „Zurück in Deutschland-„und nachdem wir unseren Manager auf der Intensivstation künstlich haben beatmen lassen“ (Farin) – machte man sich „wie von einer Last befreit“ an die Arbeit zu einer letzten Platte, „Das ist nicht die ganze Wahrheit“, die ’88er-Abschiedstournee geriet zum Triumphzug. Die Ärzte feierten Erfolge wie nie zuvor- und waren mit dem letzten Konzert am 9. Juli in Westerland Geschichte.

Mit ihren Post-Ärzte-Projekten Depp Jones und King Kong verloren Bela und Farin ganz schnell den süßen Geruch des Erfolgs aus der Nase. Niemand wollte Ärzte außerhalb der Ärzte hören. Trotzdem schwören die beiden Stein und Bein, daß sie nie geplant hatten, Die Ärzte wiederzubeleben. Beweis für ihre Aufrichtigkeit ist wohl die Tatsache, daß sie noch anderthalb Jahre vor der Reunion die Rechte an ihren alten Songs für ein Butterbrot verhökerten. „So einen Schuß ins Knie setzt man sich nicht, wenn man vorhat, irgendwann weiterzumachen“, sagt Bela und verzieht das Gesicht. „Es war uns ernst.“ Ende 1992 schließlich kam Farin -weichgeklopft von schlecht besuchten King Kong-Konzerten – wieder mal mit einer duften Idee auf Bela zu. Und der war erstmal wieder nicht begeistert. „Er dachte, ein Reunion würde nur peinlich werden“, erzählt Farin. „Ich hab ihm sogar freigestellt, die Ärzte ohne mich zu machen“, sagt Bela, „wollt‘ er aber nicht.“ Schließlich hörte er Demo-Versionen von Farins neuen Songs. „Da hat er angefangen nachzudenken. Das Ende vom Lied kennst du ja…“ Bela setzt sein protzigstes Grinsen auf: „Das Ende vom Lied: Reich!“

Während die Band -jetzt mit Rodrigo Gonzalez als neuem „Katalysator“ am Baß – bereits an neuen Songs arbeitete, erschien im Branchenmagazin „Musikmarkt“ 1993 eine ganzseitige Anzeige: „Die Ärzte (beste Band der Welt) suchen Plattenfirma“, darunter die Faxnummer des neuen Managers Axel Schulz. „Es gab zwei Möglichkeiten“, so Farin, „entweder die Branche lacht sich tot, oder sie drehen halt durch…“ Sie drehten durch – das grandioseste Comeback seit Elvis Presley nahm seinen Lauf. „Axel buchte uns eine kleine Tour, noch ohne den örtlichen Veranstaltern sagen zu können, welche Band da spielen wird. Irgendwann haben sie dann an einer Vorverkaufsstelle an der Reeperbahn einen DIN A4-Zettel rausgehängt: ‚Karten für die Ärzte‘. Innerhalb von 40 Minuten war das Konzert ausverkauft“, freut sich Bela heute noch. Das Comeback-Album „Die Bestie in Menschengestalt“ und die dazugehörige „Plugged“-Tour wurden zum Triumph – alte wie neue Fans rannten die Hallen ein. Weiteren Tourneen folgten das Album „Planet Punk“ und erneute Tourneen. ,,Dann waren wir halt Superstars“, Farin zuckt entschuldigend die Schultern. 1996 überspannte man mit dem „Konzeptalbum“ „Le Frisur“ nebst Schon-wieder-Tournee etwas den Bogen. Übersättigung war eingetreten, selbst bei eingefleischten Ärztefans. „Da haben wir mal ausgelotet, wie weit wir gehen können“, grinst Bela. „…und jetzt wissen wir das“, grinst Farin zurück. Sie wissen es. Und es kann ihnen egal sein. Deutschlands einzige wahre Popstars können nicht wirklich noch etwas verkehrt machen. Außer vielleicht noch allzu lange mit dem Verzehr der Sushi-Häppchen zu verzögem, die mittlerweile aufgetragen worden sind. Jan und Dirk müssen nämlich langsam los, zurück ins Studio. Später am Abend stehen noch Aufnahmen mit Götz Aismann an. Für ein jazziges Stück auf „13“. Ein jazziges Stück. Alles klar. Es wird nichts sein, wie es war. Die Ärzte sind wieder da.