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Die einzig wahre Nummer 5

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3 Kommentare

Den Ehrentitel „fünfter Beatle“ trugen über die Jahrzehnte allerlei Personen aus dem Umfeld der Fab Four, in der Regel allerdings zu Unrecht. Wenn ihn jemand wirklich verdient hatte, dann zweifellos Sir George Martin, der in die kreativen Prozesse der Band so stark eingebunden war wie niemand sonst. Es gibt Stücke in ihrem Repertoire, die eindeutig seine Handschrift tragen, denn Martin interpretierte seine Rolle als Produzent sehr großzügig – und die vier Musiker, in studiotechnischen Belangen zwar lernfähig, aber grundsätzlich nicht allzu beschlagen, waren froh, einen wie ihn an ihrer Seite zu haben. Einen, der neugierig, kompetent und kreativ genug war, auch ausgefallene Wünsche zu realisieren und bisweilen das Unmögliche möglich zu machen. Nicht zu vergessen: George Martin arrangierte, orchestrierte und komponierte, womit er manchen Stücken das gewisse Etwas einhauchte.

Die orchestralen Crescendi in „A Day In The Life“ gingen ebenso auf sein Konto wie die Streicherarrangements von „Yesterday“ und „Eleanor Rigby“, das markante Bachtrompetensolo in „Penny Lane“ oder auch das Piano-Zwischenspiel in „In My Life“. Ohne die kompositorische Genialität von Lennon, McCartney und Harrison relativieren zu wollen, aber oft waren es genau jene Aspekte eines Beatles-Songs, die den Unterschied ausmachten und dafür sorgten, dass die Liverpooler der Konkurrenz stets einen Schritt voraus blieben. Gemeinsam erschufen sie aus dem bloßem Aufnahmeort Tonstudio ein schier grenzenloses Instrument.

Bemerkenswert war dabei Martins Erfindungsreichtum, seine Gabe, aus den nach heutigen Maßstäben bescheidenen technischen Möglichkeiten der 60er-Jahre vormals ungehörte Klänge und Texturen zu generieren. Ohne allzu sehr ins Technische abzudriften: Erst seine synchron laufenden und intelligent verschalteten Vierspur-Bandmaschinen ermöglichten es überhaupt, 1967 ein so komplexes Werk wie das Album SGT PEPPER´S LONELY HEARTS CLUB BAND aufzunehmen – und damit die halbe Popwelt in helle Aufregung zu versetzen.

Martin realisierte Flanging-Effekte durch minimal zeitversetzt spielende Bandgeräte, er experimentierte mit Double-Tracking, ließ Bänder rückwärts oder mit veränderter Geschwindigkeit laufen. Am meisten beeindruckt in dieser Hinsicht sicher der für das Album REVOLVER entstandene Song „Tomorrow Never Knows“ mit seinen hinzugemischten Bandschleifen. Das war 1966 nicht einfach nur modern, sondern Avantgarde im wahrsten Sinn des Wortes. (Nicht von ungefähr darf dieses Stück als eine Art Blueprint für das Genre Big Beat im Allgemeinen und für die Chemical Brothers im Besonderen gesehen werden … 30 Jahre später.)

George Martin, 1926 in London geboren, hatte im Krieg bei der Royal Air Force gedient, danach Komposition studiert und 1955 die Leitung des Plattenlabels Parlophone übernommen, auf dem ab 1962 die Beatles veröffentlichten. Mitte der 60er-Jahre gründete er seine eigene Produktionsfirma und eröffnete 1970 das Londoner Air-Studio. Die neun Jahre später erbaute Außenstelle auf der Karibikinsel Montserrat fiel 1989 leider einem Hurrikan zum Opfer. Der sechsfache Grammy-Preisträger produzierte auch Künstler wie Jeff Beck, das Mahavishnu Orchestra, America, Cheap Trick und Elton John, mit „Goldfinger“ von Shirley Bassey und „Live And Let Die“ der Wings wirkte er auch an zwei legendären Bond-Songs mit. George Martin, 1996 in den Ritterstand erhoben, verstarb am 8. März 2016. Er wurde 90 Jahre alt.

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Kommentare
  • Klaas

    Möglicherweise war es eben auch nur George Martins Verdienst, dass die Beatles in musikalischer HInsicht so weit gekommen sind wie sie gekommen sind.

    Immer noch eine der überbewertesten Bands aller Zeiten. 🙂

    • coolray

      eine sehr selbstgefällige sichtweiße…sehr selbstgefällig

      • Klaas

        Nö, eher fundiert.

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