Die wilde Horde


Bonaparte 0110111 (Quantum Physics & A Horseshoe)

Staatsakt/Warner

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Jetzt auch in Ihrem Wohnzimmer: die bizarre Wunderwelt von Bonaparte

Do you wanna party with the Bonapaaarteee?! Ein wild gewordenes Pferd, ein durchgeknallter Rabe in einer Latex-Zwangsjacke, eine saufende Nonne, eine durchgedrehte Discokugel, dazu Clowns, Babes und Stripper. Ein Bonaparte-Gig ist groteske Freakshow, wahnwitzige Zirkusnummer und derbes Rockkonzert in einem – und hat durchaus etwas Furchteinflößendes. Wer sich nicht vor die Bühne der wilden Truppe um Zirkusdirektor Tobias Jundt traut, der hat nun die Möglichkeit, sich das Spektakel vom Sofa aus anzusehen. Das ist natürlich längst nicht dasselbe, aber einen Eindruck von der Energie, die das aus aller Welt zusammengewürfelte Künstler-Kollektiv bei seiner Live-Show in Berlin-Kreuzberg anderthalb Stunden lang versprüht, vermittelt die DVD in gestochen scharfen Bildern. Jundt, der Schweizer Band-Leader, führte nicht nur Regie, sondern schob auch Schichten im Schnittraum. Es gibt nicht nur viel zu sehen, sondern auch jede Menge auf die Ohren. Mit ihrem rotzigen, rudimentären Elektro-Punk hat die Band bislang jeden Saal zum Ausrasten gebracht, nach einem Bonaparte-Konzert blickt man gemeinhin in schweißnasse, glückliche Gesichter. Songs wie „Too Much“ und „Anti Anti“ sind unter der wachsenden Anhängerschaft inzwischen genauso Kult wie die Fellmütze mit Öhrchen – in den Variationen Lamm, Wolf oder Hamster. Die DVD ist eine Art Beruhigungspille für die Fans, denn nach sechs Jahren Dauer-Rotation legt die Bonaparte-Crew nun eine längere Winterpause ein. Die DVD enthält neben dem Live-Mitschnitt ungewöhnliche Extras – etwa einen Popcorn-Beutel. Darüber hinaus gibt’s einen MP3-Downloadcode für den Soundtrack zum Film. Also, drei Löcher in die Popcorn-Tüte geschnitten, die Tüte über den Kopf gestülpt – und schon mal für die nächste Bonaparte-Tour üben. Renzo Wellinger