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Loch im Eimer: “Ice Bucket Challenge” zwischen gutem Zweck und Mediengeilheit

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Hat George W. Bush etwa geschummelt und das Wasser in seinem Eimer war gar nicht eiskalt? Natürlich! Man kann sich sogar sicher sein, dass mehr als die Hälfte der Promis kein eiskaltes Wasser benutzt hat. Oder glaubt tatsächlich jemand, dass beispielsweise Sylvie Meis oder Anna Wintour sich bei aller Solidarität tatsächlich eiskaltes Wasser über den Kopf kippen? Wohl kaum.

Seit ungefähr einem Monat wird soviel Trinkwasser für einen guten Zweck verschwendet wie schon lange nicht mehr. Die Aktion funktioniert wie ein Kettenbrief: Man wurde nominiert, nominiert drei weitere Menschen, und wer sich nicht das Eiswasser über den Kopf schüttet muss spenden. Natürlich haben – hoffentlich – auch all die Promis gespendet, die sich duschen ließen. Die Spenden gehen nämlich zugunsten der ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) Association um die Forschung nach einer der heimtückischsten Krankheiten der Welt zu unterstützen.

Weit über 60 Millionen Dollar sind mittlerweile zusammengekommen. Eine beträchtliche Summe für einen guten Zweck. Und dennoch ist es nicht zum ersten Mal so, dass solche Aktionen dank prominenter Unterstützer irgendwann mit dem ursprünglichen Sinn und Zweck nicht mehr viel gemein haben. Dann zum Beispiel liegt Naomi Campbell auf einem Steg im Wasser, perfekt ausgeleuchtet und lässt sich höchstwahrscheinlich nicht kaltes Wasser über ihren Modelkörper kippen und Chris Martin und Stella McCartney haben wahnsinnig viel Spaß während sie nass gemacht werden. Lady Gaga hat, auch wenn sie gruselig aussah, zumindest nicht albern gelacht sondern ernst geschaut und das getan worum es geht – kein „… und ich nominiere drei heiße Typen …“ (deutsche GZSZ-Darstellerin) oder andere deplatzierte Kommentare bei der Challenge.

Moderatorin Nina Moghaddam hat vor ihrer Eisdusche auf ihrer Facebookseite als eine der wenigen Prominenten darauf hingewiesen, dass jede noch so kleine Spende wichtig ist und es hier um etwas Ernstes geht. Natürlich sind Prominente Katalysator für Charity-Aktionen beziehungsweise Kampagnen, aber von 100 Prozent Prominenz sind, wenn es hochkommt,  gefühlte 40 Prozent wirklich ernsthaft bei der Sache und es ist immer ein schmaler Grat zwischen Anteilnahme und Mediengeilheit. Und so wird plötzlich schon wieder über Gwyneth Paltrow, Chris Martin und ihre Trennung diskutiert, weil sie ihn für die “Ice Bucket Challenge” nominiert hat und man fragt sich: Weiß eigentlich noch jemand worum es geht?

Bevor die “Ice Bucket Challenge” zu einer lustigen Inszenierung zwischen Prominenten verkommt, sollten es alle so machen wie Sir Patrick Stewart oder aber Angela Merkel. Die hat nämlich trotz Nominierung (noch) nicht daran teilgenommen. Spenden wird sie aber dennoch. Da bin ich mir sicher.

Jan Schmechtig bloggt unter Horstson.de über Männermode und Musik – und in loser Regelmäßigkeit auf musikexpress.de.


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