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Duffy über ihre Lieblingsmusik

Ich höre, also bin ich

Eine Plattensammlung gab es im Elternhaus nicht, Musik kam aus dem Radio. Erst als ihre Jugend fast vorbei war, wurde Duffy als Gesangstalent entdeckt.

Foto:
Universal
Duffy Portrait 2010

Der erste Song, an den ich mich erinnern kann …

Patsy Cline – Crazy (1961)

Meine Mom liebte Patsy Cline. Und ich erinnere mich gut, daran, dass ich „Crazy“ auch sehr gerne mochte, als ich sechs oder sieben Jahre alt war. Wenn ich an einem Sonntag in der Küche saß und der Regen gegen die Fensterscheiben schlug, dann passte diese sehnsuchtsvolle Stimme einfach wahnsinnig gut. Es gab bei BBC eine Show namens „Our Tune“, wo das manchmal lief. Da riefen die Leute an und sagten: „Mein Liebster ist im Falkland-Krieg, und ich habe seit drei Monaten nichts mehr von ihm gehört. Drei Leute aus seiner Einheit sind gestorben, und ich weiß nicht, ob er dabei ist. Ich bin so verzweifelt.“ Für die wurde dann der Song gespielt. Mann, siehst Du meine Gänsehaut? Die Erinnerung daran ist für mich heute noch intensiver als jede an einen Film oder eine Fernsehserie.

Dieser Song prägte meine Liebe zu Soul …

Sam Cooke – A Change Is Gonna Come (1964)Auch das lief damals oft im Radio. Der Song hat so viele verschiedenen Ebenen. Er ist stark, aber er ist verzweifelt. Er ist natürlich die Hymne der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 60er-Jahren, aber er ist auch sehr persönlich. Wenn Sam Cooke im Text erzählt, was ihm widerfährt, kommt man sich so nahe vor, gerade als ob man mit ihm durch durch die Straßen laufen würde. Man erkennt, dass er dieses Leben, diese Behandlung, dieses Stigma nicht verdient. Ich glaube, dass es einer der wichtigsten Songs ist, die je geschrieben worden sind. Es gibt davon auch eine sehr schöne Version von Aretha Franklin. Die nahm sie an dem Tag auf, an dem Martin Luther King umgebracht wurde.

Die erste Musik, die mir Bernard Butler gab …

By The Time I Get To Phoenix – Glen Campbell (1967)Wieder so ein trauriger Song. Ein Telefon, dass klingelt – und der Liebste geht nicht ran, und Du weißt nicht, warum. Ich meine, da flippt man doch aus. Bernhard gab mir eine Menge Musik. Auch „The Man Who Sold The World“ von David Bowie spielte er auf meinen iPod. Vor allem aber gab er mir gute Tipps. Als ich mit den Aufnahmen zu meinem ersten Album halb fertig war, bekam ich erstmals einen Vorschuss. Ich hatte also ein paar 100 Pfund in der Tasche und bin Platten kaufen gegangen. Ich hatte das vorher noch nie gemacht.

Als ich berühmt wurde ...

Joy Division – Love Will Tear Us Apart (1979) Ich glaube, das lernte ich tatsächlich erst zu der Zeit kennen, als mein Album durch die Decke ging. Auch hier ist es beeindruckend, hinter den Song zu blicken, sich mit der Geschichte von Ian Curtis zu beschäftigen. Angeblich hat man ihm, bevor die Vocals aufgenommen wurden, Frank Sinatra vorgespielt, damit er ein bisschen getragener klingt. Lustige Geschichte: Ich sah einmal Peter Hook in einer Shopping Mall, den Bassisten von Joy Division und New Order. Ich nahm allen Mut zusammen und ging rüber zu ihm. Er sagte: „Oh, wow. Dein Album liegt in meinem Auto!“ Ich antwortete nur: „Jaja, schon gut“, weil es genau eine Sache gab, die ich von ihm wissen wollte: Ob er ein Fan von Carol Kaye ist, der bei vielen Motown-Platten Bass spielte. Wenn Du genau hinhörst, dann erkennst Du nämlich bei Joy Division einen Motown-Bass! Das ist auch nicht so ungewöhnlich, weil im Norden Englands zu seiner Jugendzeit vermutlich überall Northern Soul lief.

Als ich im einer beschützten Unterkunft lebte ...

Prince – The Most Beautiful Girl In The World (1995)Man kam damals an diesem Lied nicht vorbei. Wenn das heute irgendwo im Radio läuft, bekomme ich schlechte Laune. Das war eine der schlimmsten Zeiten meines Lebens, ich hatte wahnsinnige Angst. Und dafür steht musikalisch eben Prince, weil er mir einen fiesen Flashback in die damalige Zeit gibt. Eigentlich kann der Song natürlich nichts dafür, aber ich hasse ihn wirklich.

Mit meinen Eltern hörte ich …

The Kinks – Sunny Afternoon (1966)Es gibt einige Lieder, die mich an meine Familie erinnern. Vor allem solche, die oft im Auto liefen. „Sunny Afternoon“ gehört dazu. Meine Zwillingsschwester saß immer hinten , ich auf dem Beifahrersitz, weil ich zwölf Minuten älter bin. Beim Refrain stiegen wir dann gemeinsam in den Song ein. Ich glaube, wir hatten das als Kassette, aber ich weiß nicht, woher. Mein Vater war eigentlich zu geizig, um so etwas zu kaufen. Auf jeden Fall lief das immer in unserem Mini-Fiesta, der fast auseinander fiel. Jeden Morgen beteten wir, dass er anspringen würde. Wir wurden immer mit dem Auto in die Schule gefahren, obwohl die nur ein paar 100 Meter weg war. Aber meine Mutter war zu faul, uns zu Fuß hinzubringen.



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