Philip Seymour Hoffman: Die 11 besten Rollen des Ausnahmeschauspielers


Der Abschied von einem großen Schaupieler als kurze Reise durch sein Schaffen: elf Rollen von Philip Seymour Hoffman und warum sein Verlust so schmerzt.

Es gibt traurige Tage für Filmfreunde und ist es gibt Tage wie den 02. Februar 2014, die in negativ-emotionalen Superlativen kaum zu überbieten sind: Phillip Seymour Hoffman, Spätblüher unter den schauspielerischen Großtalenten, ist tot.

Der Schauspieler, der im Alter von gerade einmal 46 Jahren verstarb und seinen großen Durchbruch mit einer Nebenrolle in Martin Brests „Der Duft der Frauen“ hatte, begeisterte uns in den letzten zwei Jahrzehnten als einer der wandlungsfähigsten und immer wieder überraschendsten Charaktermimen seiner Generation. Wahrlich geknickt und trauernd haben wir nun unsere Filmsammlung nach den schönsten PSH-Momenten durchstöbert. Oben in der Galerie seht Ihr Phillip Seymour Hoffman in seinen elf besten Rollen; hier lest Ihr, warum er in den jeweiligen Filme so überzeugte.

11. „The Boat That Rocked (a.k.a. Radio Rock Revolution)“

Zum Film:

Ein süßliches Nostalgievehikel für die ältere Generation, die sich noch mit den Lifestyle-Revolutionen von Rock’n’Roll, Hippies und den Swinging Sixties herumschlagen musste. (Sehr lose) basierend auf einer wahren Geschichte, sendet ein Piratensender vor Englands Küste unerhörte Rock-Rhythmen, die Autoritäten zürnen.

Kennt man, weil…

…die Eltern sich den Soundtrack aus der Grabbelkiste bei Saturn gefischt haben.

PSH-Faktor:

Hoffman gibt den amerikanischen Super-DJ The Count, der die milchbubige Publikumsidentifikationsfigur Carl (Tom Sturridge) unter seine Fittiche nimmt. PSH ist hier lässiger Lebemann mit Kanten, der die hoffnungsfrohe Hippie-Energie der Crew mit einer Spur amerikanischer Forschheit erdet.

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10. „Happiness“

Zum Film:

Regisseur Todd Solondz’ Menschenbild ist nicht von Optimismus geprägt, das wissen die Kenner seiner pechschwarzen Dissektionen der amerikanischen “ picket fences“-Idylle schon lange. Sein zweiter Langfilm sorgte mit seinem Themenkomplex aus Selbstmord, Totschlag und Vergewaltigung hinter heilen Suburbia-Fassaden für Aufsehen.

Kennt man, weil…

…man Ende der Neunziger gerade seine Ami-Indie-Phase hatte und/oder das Cover von Daniel Clowes gemocht hat.

PSH-Faktor:

Eine Rolle, die PSH so zu der seinen macht, wie man es sich bei jemandem anderes kaum vorstellen könnte: Als unterwürfiger mouth-breather, der seine gewaltvollen Sexfantasien in obszönen Telefonterror münden lässt, nach außen aber das Gesicht des – hier wortwörtlich zu verstehenden – netten Typen von nebenan aufsetzt. Und der dann aber versagt, als er die Chance hat seine – perversen – Träume Realität werden zu lassen.

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9. „Almost Famous“

Zum Film:

Die ach so liebenswürdig verklärte und semi-wahre Rockgeschichte um den jugendlichen Musikjournalisten William Miller, der von Rolling-Stone-Legende Lester Bangs in die Untiefen der Konzertberichterstattung geschickt wird. Und dabei – wie es sich für eine Coming-Of-Age-Geschichte gehört – Liebe, Sex und…äh… Zärtlichkeit für sich entdeckt.

Kennt man, weil….

…. man den/die Angebetete/n in den Feel-Good-Date-Film geschleppt hat, um sich zu den Klängen von Seventies Rock das Herz brechen zu lassen.

PSH-Faktor:

PSH spricht sämtlichen pickelgesichtigen Popkultur-Bloggern, allen behornbrillten Musikjournos mittleren Alters und jedem Silberrücken der Reviewpresse aus der Seele, wenn er als Real-Life-Legende Lester Bangs seinem Schützling die Mechanismen des Cool-Seins erklärt: „The only true currency in this bankrupt world is what we share with someone else when we’re uncool.“

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8. „Magnolia“

Zum Film:

Der Film, mit dem Paul Thomas Anderson nach zwei vielversprechenden Regieauftritten ins Rampenlicht stürmte: eine symphonisch orchestrierte und epische Hymne an das Lebensgefühl „ Los Angeles“ minus Dauersonnenschein, Glamour und Selbstlügen. Also ein ziemlich melancholischer bis tragischer Blick auf freudlose Gefühlswelten mit dem obligatorischen Sonnenschein, der gegen Ende durch die Wolken blitzt.

Kennt man, weil…

…. damals alle über Tom Cruises Auftritt als manischer Sektenfreak sprachen. Lange bevor er bei Oprah Winfrey auf der Couch herumhüpfte.

PSH-Faktor:

Sympathisch in seiner Offenheit und Unkompliziertheit wirkt Phil Parma, in dessen Rolle Philip Seymour Hoffman hier schlüpft. Eine Figur von der man schnell merkt, dass sie explizit für PSH geschrieben wurde, denn er macht sich in ihrem im Leben breit, als wäre es eine gemütliche alte Couch, während PSH mit behänder Leichtigkeit den Blick ins Seelenleben der Figur freigibt.

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7. „Punch-Drunk Love“

Zum Film:

Schon wieder Paul Thomas Anderson, der hier Adam Sandler als liebeskrankem Toilettenböppelverkäufer eine echte schauspielerische Leistung abverlangt. Ein nicht nur deshalb sehenswerter Film, der nebenbei die einzig richtige Frage auf die Jeopardy-Antwort „Der Film mit mehr Blendenflecken als J.J. Abrams ‚Star Trek’“ ist.

Kennt man, weil…

…. man wahlweise großer PTA-, Adam-Sandler- oder PSH-Fan mit Komplettierungswahn ist.

PSH-Faktor:

Alleine Philip Seymour Hoffmans Auftritt als schmieriger Erpresser, der selbst Sandlers sanftmütige Figur zur Explosion treibt, ist den Film wert. Die letztendliche Konfrontation zwischen zwei eigentlich reservierten Männern, die gegenseitig ihre Grenzen ausloten ist einer der Goldstandards für Filmzitate: „That’s That, Mattress Man“.

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6. „Capote“

Zum Film:

Jene Gattung von Film, die man sich je nach Alter freiwillig aus Interesse (älter) oder unter Zwang im Englischunterricht (jünger) angesehen hat: Das Leben von Schriftstellerlegende Truman Capote während seiner Arbeit am Literaturgeschichte schreibenden „In Cold Blood“.

Kennt man, weil….

…Oscar!

PSH-Faktor:

Brillant und unvergleichlich, wie PSH nicht nur extreme schauspielerische Wandlungsfähigkeit zeigt, sondern dabei wie beiläufig eine real existierende Person mit all ihren Manierismen zum Leben erweckt. Und zwar derart überzeugend, dass selbst Capotes enge Freunde PSH zu seiner Darbietung gratulierten.

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5. „The Savages“

Zum Film:

Einer jener Filmperlen, die man unter der Netflix-Kategorie „ Kommen auf einem Dutzend Best-Of-Listen vor, haben aber keinen Erfolg“ zusammenfassen könnte: Zwei Geschwister müssen sich zusammenraufen, um ihren pflegebedürftigen Vater zu unterstützen, der die beiden während ihrer Kindheit einst terrorisierte.

Kennt man, weil…

… man von der Stärke der darstellerischen Leistungen hörte und sich vom wenig Gutfühlatmosphäre verbreitendem Stoff nicht abhalten ließ.

PSH-Faktor:

Eine schwierige Aufgabe, denn sowohl Laura Linneys Wendy als auch PSHs Jon sind unter dem Druck der familiären Pflichterfüllung eigentlich unleidliche Zeitgenossen, deren gute Seiten nur gelegentlich durchblitzen. PSHs emotional verkrüppelter Einzelgänger, der die Chance auf Erfüllung scheinbar ungenutzt passieren lässt, ist eine nuancierte Darbietung der Extraklasse.

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4. „Synecdoche, New York“

Zum Film:

Eine Kollaboration zwischen den beiden Filmvisionären Charlie Kaufman und Spike Jonze über… tja, was eigentlich… die Unerreichbarkeit künstlerischer Perfektion? Die Traumhaftigkeit der Realität? Die ultimative Tödlichkeit des Lebens? Egal, denn ein brillanter Film, der hierzulande nie sein Publikum fand, ist „ Synecdoche, New York“ auf jeden Fall.

Kennt man, weil…

… man ihn vor „Alles-auf-einen-Knopfdruck-anschauen“-Zeiten verzweifelt gesucht hat, nachdem er ziemlich sang- und klanglos auf den Markt gebracht wurde.

PSH-Faktor:

Eine seiner fraglos größten Rollen: Der Theaterregisseur, der über Jahrzehnte hinweg seinen Traum des Opus Magnus verfolgt und dabei – so wie der Film selbst – aus den Augen verliert, was eigentlich wichtig ist. Ein konzeptioneller Film, in den Philip Seymour Hoffman hinabsteigt wie Orpheus in die Unterwelt, indem er scheinbar sein Innerstes offenlegt.

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3. „Doubt“

Zum Film:

Es war von vorne herein klar, dass das Thema – Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche – sowie die reine Anwesenheit von Meryl Streep den Film zum Oscar-Kandidaten machen würden. Dank gezügelter Darbietungen und dem Verzicht auf unangebrachte Melodramatik auch für Nicht-Arthaus-Kino-Gänger anschaubar.

Kennt man, weil…

… man neulich drübergestolpert ist, als man Amy Adams‘ Filmographie durchforstete.

PSH-Faktor:

PSH als charismatischer, liebevoller und dennoch undurchsichtiger Pater, der sich den grundlosen Anschuldigungen stellen muss. Großartig, nicht zuletzt wegen der Aura der Unverletzlichkeit, die seiner Arroganz eine Note verleiht, die das Publikum rat- bis hilflos zurücklässt.

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2. „Before The Devil Knows You’re Dead“

Zum Film:

Im Alter von 83 Jahren rotzte Altmeister Sydney Lumet einen bitterbösen Krimithriller hin, der allen Möchtegern-Tarantinos und Nachwuchsfilmemachern als Vorbild dienen sollte: Pechschwarz und misanthropisch erzählt Lumet von zwei Brüdern, die den Juwelierladen ihrer Eltern ausrauben und damit eine Kette von Ereignissen in Gang setzen, an deren Ende Tragik steht.

Kennt man, weil….

…. tja….kennt man? Wir hoffen es.

PSH-Faktor:

Während Lumet mit Vor- und Rückblenden die kriminelle Unfähigkeit seiner Hauptfiguren als hypnotischen Sog erstehen lässt, tut es ihm Philip Seymour Hoffman an der Seite von Ethan Hawke auf Charaktereben gleich: Immer tiefer graben wir uns als Zuschauer dank brillanter Darbietung in die Gehirnwindungen des verbrecherischen Andy Hanson (PSH), der wie ein in die Ecke getriebenes Tier zunehmend verzweifelt nach einem Ausweg aus seiner misslichen Lage sucht.

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1. „The Master“ 

Zum Film:

Paul Thomas Anderson zum Dritten. Je nach Sichtweise die Geschichte einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft, ein Blick auf die Zerstörung der amerikanischen Psyche nach dem Zweiten Weltkrieg oder auf die inhärente Verlorenheit der männlichen Seele. Zudem ein Film, der spaltet in Befürworter und Ablehner, dessen soghaftem Bilderrausch und unglaublichen schauspielerischen Darbietungen man sich jedoch kaum entziehen kann.

Kennt man, weil…

… man das Poster im Kino hängen sah, bevor man in „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ ging.

PSH-Faktor:

Wunderbar! Als charismatischer und aalglatter Möchtegern-Intellektueller, der mit viel heißer Luft auf Menschenfang geht und den Joaquin Phoenix‘ Freddie Quell trotz einiger Tumbheit als Scharlatan entlarvt, brilliert PSH wie schon lange nicht mehr. Neben Phoenix und Amy Adams darf Philip Seymour Hoffman hier das große Hütchenspiel der versteckten Emotionen und undurchsichtigen Motivationen als ganz ganz große Schauspielkunst betreiben.  

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