Friedrich Liechtenstein

BAS GASTEIN

Staatsakt/Rough Trade

Immer noch supergeil: Der Schmuck-Eremit bricht Klischees zwischen Chanson und Disco, um sie erst recht sehr ernst zu nehmen.

Ja, die Muschi und die Uschi und das Sushi sind „supergeil“. Aber sonst? Seit dem YouTube-Hit für eine Einzelhandelskette ist Friedrich Liechtenstein das, was man einen Star nennt.

Auf BAD GASTEIN tut der 1956 in Eisenhüttenstadt, das damals noch Stalinstadt hieß, als Hans-Holger Friedrich geborene Scene­ster des Berliner Nachtlebens das, was ein Star tun sollte. Also: am besten mehr vom Gleichen abliefern. Und das ist gut so, denn „Supergeil“ war ein geschicktes, hochamüsantes, sich niemals ernst nehmendes Spiel mit musikalischen, modischen und gesellschaftlichen Klischees. Hier setzt auch BAD GASTEIN an, das einerseits Teil einer hochoffiziellen Image-Kampagne für den österreichischen Wintersportort ist, andererseits diese Kampagne zugleich spiegelt und ironisiert.

Dasselbe Prinzip wird auf der musikalischen Ebene benutzt: Chanson-Melancholie, Belle-Epoche-Sentimentalität oder Disco-Nostalgie werden gebrochen und zugleich, denkbar versiert produziert von Carl Schilde und Anselm Venezian Nehls, erst recht sehr ernst genommen. Darüber schlendert der prachtbärtige Liechtenstein eher durch die Themen, als dass er singt, er schwadroniert von morbider Liebe, entwirft epische Biografien, die von der Fremdenlegion bis hin zu einem Badeunfall in Biarritz reichen, und erklärt sich selbst zum „Kommissar d’Amour“.

Ob der selbsternannte „Schmuck-Eremit“ nun Musiker, Künstler, Lebensentwurf, Konzept oder doch bloß ein Testimonal ist, das bleibt offen. Ebenso wie die Frage, wer ihn heute in einem Jahr noch auf YouTube aufrufen wird. Das muss auch alles offen bleiben. Klar ist nur: BAD GASTEIN ist ein großartiges Album.