von Tomasso Schultze
Filme
The Tree of Life
Pitt! Penn! Plateosaurus! Terrence Malick packt die große Keule aus.
Regie: Terrence Malick
Foto:
Concorde
The Tree Of Life
What does your soul look like? Wollte DJ Shadow wissen. Musik
gibt da ja immer wieder klare Antworten. Es reicht, eine Platte von
John Coltrane anzuhören, um alle Zweifel auszuräumen, dass Menschen
danach streben, mit einer höheren Macht zu kommunizieren. Ist nicht
jede Kunst bedingt vom Bedürfnis nach Transzendenz, vom Streben
nach der Nähe zu, äh, Gott. Das Kino hat es weniger leicht und
verrennt sich schon mal im Bemühen, Bilder für das Unzeigbare zu
finden. „The Tree Of Life“ unternimmt einen neuen Anlauf. Nicht von
ungefähr arrangiert Terrence Malick sein in sechsjähriger Arbeit
entstandenes Werk diesseits der Konventionen des Erzählkinos als
Sinfonie mit vier Sätzen, in der Bilderabfolgen die Funktion von
Noten und Töne übernehmen. Je nach persönlichem Geschmack kann man
das als prätentiösen Eso-Scheiß™ abtun oder sich mitreißen lassen
und der Bilderflut hingeben, oszillierend zwischen „2001“ und „
Koyaanisqatsi“, bis man sich im higher state of consciousness mit
den ganz großen Fragen auseinandersetzen kann.
Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Wann ist Brad
Pitt so ein verdammt guter Schauspieler geworden? Hat Sean Penn
geahnt, dass er nur zwei Minuten zu sehen sein wird? Er musste
Bibelzitaten, Bach-Kantaten, Überlegungen zum Wesen des Seins
zwischen Natur und Anmut, einem 20-minütigen Trip zurück in die
Ursuppe und einem gnädigen Saurier weichen: Malick packt die große
Keule aus, um doch nur eine kleine Geschichte zu erzählen, von
einer Kindheit im Texas der 50er-Jahre aus dem Blickwinkel eines
Jungen, von einer gütigen Mutter und einem strengen Vater, von
erster Lust, Scham, Schuld und Versuchung, während die Kamera immer
wieder Richtung Himmel schwenkt. Die Pracht der Schöpfung
anzuerkennen, ist keine Glaubensfrage, sagt der Film. Und vertraut
den Bildern, die er für diesen kosmischen Trip findet. Als
Zuschauer sollte man das ebenfalls tun.
Mit Brad Pitt, Jessica Chastain, Sean Penn
(USA/Frankreich 2011)
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