Locust – Morning Light

Vom Ende der Techno-Ära kündet nicht nur die Pleite der Zeitschrift „Frontpage“, sondern auch dieses Album. Locust ist das Projekt von Ex-Seefeel-Mitglied Mark van Hoen, der noch auf dem Vorgänger-Album der experimentalen Elektronik gefrönt hatte, um jetzt plötzlich völig umzuschwenken. MORNING LIGHT ist „Pure Pop For Now People“. Van Hoen hat für das Album diverse Sänger und vor allem Sängerinnen gecastet, die jetzt abwechselnd meist melancholische Texte über gediegene Arrangements setzen. Das klingt manchmal wie Musik aus der 4AD-Frühphase im Sinne von This Mortal Coil („I Am The Murderer“) oder wie Björk ohne deren Kiekser („Your Selfish Ways“) manchmal auch wie klassischer Bar-Jazz („Summer Rain“), aber nie und nimmer nach Techno-Vergangenheit. Sogar akustische Gitarren läßt Locust zart anschlagen, was die spröde Grundstimmung des Albums noch verstärkt. Nicht nur für den Künstler ist diese Platte ein Wagnis, sondern auch für das belgische Label R&S, das mit diesem rein songorientierten Werk neue Wege einschlägt. Hoffentlich geht der Schuß nicht nach hinten los, denn die alten Fans werden sich wahrscheinlich von Locust abwenden, und neue Freunde sind ja bekanntlich schwer zu finden.