The Bravery – The Sun And The Moon :: Pop ohne Bedingungen

Mal ein bisschen das Nest beschmutzen. Es ist so ein typisches Musikjournalistending bei der Beurteilung von Debütalben, tief ins Referenzfach der alten Kiste zu greifen, in der die Musikgeschichte aufbewahrt wird. Bei zweiten Alben sollen dann die ganzen Vergleiche und Querverweise nicht mehr gelten, weil man dann ja das erste Album als 1 A-Referenz benutzen und über den „Trademark-Sound“ schwadronieren kann. Klingt also THE SUN AND THE MOON, das zweite Album von The Bravery, nicht mehr nach einer Band, die irgendwie New Order, circa „Blue Monday“, mit der Larmoyanz von Robert Smith und käsigen Synthesizersounds aus den 8oer-Jahren zu verbinden gewillt ist? Oder sind zweite Alben in der Lage, Horizonte zu öffnen? Oder zu schließen, wie im Fall der Killers, die hier unbedingt genannt werden müssen, weil der von den Medien inszenierte Krieg The Killers vs. The Bravery, der in der Tradition großer Pop-Medienkriege wie The Sweet vs. Bay City Rollers stand, 90 Prozent der Aufmerksamkeit, die The Bravery auf sich lenken konnten, zu verantworten hatte. Was eine Schande ist, weil The Bravery, fünf durchaus sympathische Typen aus New York, gut sind für angeglammten Wegwerf-Disco-Pop-Punk, der zumindest im Augenblick funktioniert. Und jetzt funktioniert er auch schon wieder. Man kann The Sun And The Moon durchaus mit dem zweiten Killers-Album Sam’s Town vergleichen, in seiner Absicht um das Alles-können-Wollen und dem Bemühen, diesem Alles noch eins obendrauf zu setzen. Aber bei The Bravery geschieht das ohne die schnauzbärtige Schmierlappigkeit der Killers. Die zweite Bravery ist eine bedingungslose Pop-Platte mit der Tendenz zum Hymnen-Pomp- (siehe The Killers) und Diebstahls-Rock. Im zweiten Song „Believe“, der sich zu gleichen Teilen schamlos bei den Kaiser Chiefs und The Bravery bedient, ertönt ein kurzes ROCK-Gitarrensolo, auf das normalerweise zwei Jahre Einzelhaft ohne Bewährung stehen. „This Is Not The End“ klaut ohne rot zu werden das Intro von „London Calling“, „Above And Below“ ist eine Art Reggae mit Fiepsorgel, und „The Ocean“ am Schluss mit seinem Streicherarrangement gehört von Rechts wegen verboten. Aber es funktioniert. Manchmal im Leben muss man sich eben entscheiden. Zwischen Adidas und Puma. H&.M und Prada, Coke und Pepsi. The Bravery und The Killers.

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