VIBE STATT KICK


Das Kölner Elektro-Duo Coma ist gelangweilt von der Funktionalität der Clubmusik. Für die beiden muss Musik verspielt sein, charmant, gerne auch kitschig. Einfach nur auf die Bassdrum klopfen kann ja jeder.

Mit den Lorbeeren, mit denen sie ihre Heimatstadt seit geraumer Zeit schmückt, wollen sich Coma eigentlich nicht sehen lassen. „In Köln gibt es einen komischen Lokalpatriotismus, damit können wir nur wenig anfangen“, sagt Marius Bubat, die eine Hälfte des Elektro-Duos Coma. „Es ist schwierig, wenn man als Act immer mit einer Stadt assoziiert wird, auch wenn wir hier unsere Basis haben.“

Seit Jahren werden Coma als das nächste große Ding aus Köln gefeiert, auch von ihrem Label Kompakt. Das mittlerweile 20 Jahre alte Traditionshaus, das man lange Zeit vor allem mit Minimal Techno assoziierte, hat sich mit Künstlern wie Matias Aguayo, GusGus und WhoMadeWho Schritt für Schritt dem Pop geöffnet. Coma sind das konsequente Signing für diese Entwicklung.

Auch Georg Conrad, der Zweite im Bund, muss schmunzeln, wenn es um den Novizen-Status seiner Band geht: „Wir machen schon seit Jahren Musik und zu Beginn sind wir nicht mit großen Ambitionen gestartet und haben gesagt, wir machen das jetzt ganz big.“

Zwei Mittzwanziger down-to-earth, die Tiefstapeln zu ihren Grundtugenden zählen. Zurückzuführen auf eine gemeinsame Geschichte, die im ganz Kleinen beginnt: in der gemeinsamen Schulzeit in der niederrheinischen Provinz. Erste musikalische Gehversuche im Indie-Rock. Heute ein heikles Thema, darf gerne gestrichen werden. Ebenso wie die Jugendsünden im Plattenschrank: Take That (Bubat), H-Blockx (Conrad).

Der Umzug nach Köln hieß vor allem Tontechnik-Studium, Studioarbeit mit Freunden, und: Sich-selbst-und-seinen-Sound-Finden. Beim c/o-pop-Festival 2007 erwachte Coma dann sozusagen. Clubgröße Tobias Thomas buchte sie für seine renommierte „Total Confusion“-Partyreihe – schnell stand die Verbindung zu Kompakt.

Drei Jahre dauerte die Arbeit am Debütalbum IN TECHNICOLOR, das die Band dann ganz szene-untypisch einen Monat vor Deadline bei der Plattenfirma eingereicht hat. Der Titel fiel Bubat beim Brainstorming am Gardasee ein und verweist auf die Mischung aus dem technischen und organischen Sound des Gespanns.

„Wir waren davon gelangweilt, wie funktional Clubmusik oft ist. Straighte Bassdrums können wir auch, aber für das Album wollten wir in eine andere Richtung gehen“, sagt Bubat. Coma, das steht weniger für den Kick als für den Vibe: Verspielte Melodien, Vocals mit dem gewissen Caribou-Charme hier und dort und immer dieser kurzweilige Mut, auch mal ins Kitschige abzudriften. Kein Wunder, dass DJ Kozes Pampa-Muse Ada hier ihre Finger als Koproduzentin im Spiel hatte (beim Synthie-Hit „Hoooooray“).

Coma ist Pop über das Leben im Club, über dieses schwerelose Gefühl auf der Tanzfläche, über diesen Moment, der das Hier und Jetzt abfeiert. Grenzen stören. Hier vermischen sich Pop und House, Disco und Techno, immer mit dem Anspruch, den Verführungen des Crowd-Pleasings zu widerstehen. Vorbilder? Damon Albarn und LCD Soundsystem. Brüder im Geiste.

„Drei Jahre haben wir uns immer gefragt, ob die Songs nicht zu cheesy oder zu einfach oder zu Standard sind“, sagt Bubat. Machen wir es kurz: Sind sie ganz bestimmt nicht. Auschecken, sofort!

Albumkritik ME 5/13