Wahnsinn, Kampfflieger und 90er-Revival – die Alben der Woche


Hier sind die Alben der Woche vom 29.10.-3.11. mit Mouse on Mars, Aerosmith und Crystal Castles.

Album der Woche: Mouse on Mars – WOW

Nein, ehrlich: Der Club muss noch erfunden werden, zu denen die Menschen zu der Musik auf WOW tanzen. Das neue (Mini-)Album von Andi Thoma und Jan St. Werner – nur neun Monate nach dem letzten, Parastrophic, veröffentlicht – soll die Antithese sein zu ebendiesem Album, einem ausgeklügelten Stück Wahnsinn, für das das Duo fünf Jahre gebraucht hat. WOW dagegen wurde in relativ kurzer Zeit aufgenommen, drei Tracks sind mit der MOM-eigenen iPhone-App „Wretch Up“ entstanden und die Stimmen des vietnamesischen Künstlers Dao Anh Khanh, der argentinischen Girl-Punk-Band Las Kellies und von Eric D. Clark sind zu hören. WOW wird vom ehrenwerten Monkeytown-Label als club­orientiertes Album angepriesen. Und das ist es eben nicht, was nichts an der Großartigkeit der Musik ändert. Wir hören die Wendungen und Verschlingungen, die unerwarteten Richtungsänderungen, die „unsauberen“ Sounds, die wir von Mouse on Mars gewohnt sind. Wir denken an die krassesten IDM-Experimentalisten der 90er-Jahre – Aphex Twin, Autechre, Squarepusher et al. Mouse on Mars können halt nicht aus ihrer Haut. Und das ist ja auch gut so.

Albert Koch

 

Aerosmith – Music From Another Dimension! 

Ja, das Ausrufezeichen passt zum Albumtitel wie Aerosmith in die Gegenwart. Und ja, Steven Tyler hat durch seine Jurorentätigkeit bei American Idol; auch die letzte Chance darauf verspielt, mit seiner cartoonhaften Band doch noch ernst genommen zu werden. Von seiner unerträglich selbstverliebten Autobiografie gar nicht erst zu sprechen. Und doch ist das erste Album voll Original­material von Aerosmith seit elf Jahren gar nicht mal so schlecht. Freilich, da sind die klebrigen Balladen, die ewig gleich gestrickten Kopien von „Angel“ und „Amazing“, die professionelle Songschreiber mit verantworten. Das arschglatte „We All Fall Down“ ließ man gleich komplett von Diane Warren schreiben, die der Band 1998 ihren ersten Nummer-eins-Hit mit dem Celine-Dion-artigen „I Don’t Want To Miss A Thing“ bescherte.

Albert Koch

Baseballs – The Good Ol‘ Christmas

 

Cut Hands – Black Mamba

 

Crystal Castles – III

Man vernimmt ein leichtes Rumoren unter der Oberfläche, durch das ein düsterer Sound entsteht. Kath hat sich ein paar finstere Loops ausgedacht, mit denen er das Dröhnen alter Kampfflieger nachempfindet. Bisweilen glaubt man, Ladytron hätten sich mit kaputterem Gesang neu erfunden. Die Stimmung hellt nur an zwei Stellen auf, in der Euro-Techno-Hymne „Sad Eyes“ und in „Affection“ . Crystal Castles sind bei der Umsetzung ihrer Idee konsequent und zeigen, dass ihnen, den Spätankömmlingen auf der Elektro-Party, die Substanz nicht ausgeht.

Thomas Weiland

Friendly Fires – Late Night Tales

 

Gossip – A Joyful Noise (Deluxe Edition)

 

Green, Cee Lo – CeeLo’s Magic Moment

 

Hardy, Françoise – L‘ Amour Fou

 

Hercules And Love Affair – DJ Kicks

Trotz jahrelanger gegenteiliger Bekundungen aus diversen berufenen Mündern ist das 90er-Jahre-Revival auf breiter Tanzbodenfront bis heute ausgeblieben. Andy Butler, Kopf und einziges konstantes Mitglied des Post-Disco-/Proto-House-Projektes Hercules And Love Affair, macht sich sein eigenes kleines 90er-Revival auf seiner Ausgabe der DJ-Kicks-Reihe. Es beginnt mit Mankinds 1997er-Spät-Disco-Track „Don’t Keep Me Waiting“ und endet mit „Africa Freedom (Johannesburg Dub)“ von Z.A.M. – ein Pseudonym des House-Musikers und Labelchefs Victor Simonelli, der gleich dreimal (noch als Solution und Cloud 9) auf diesem Mix zu hören ist. Dazwischen liegen 14 Tracks – alle aus den späten Achtzigern und den 90er-Jahren, House und New Beat, funky und souly, exaltierter weiblicher Gesang und Bassdrums, die damals auch schon ganz gut kicken konnten.

Albert Koch

Kettcar – Du und wieviel von deinen Freunden

 

Mando Diao – Infruset

 

Moldau, Janosch – Lovestar

 

Ornette – Crazy

 

Scooter – Music For A Big Night Out (Limited Edition)

 

Ware, Jessie – Devotion

 

Williams, Robbie – Take The Crown