Wir waren beim Design District Zagreb Festival – und es war beklemmend


Beim viertägigen Zusammentreffen der Zagreber Kreativszene beeindruckte insbesondere der Veranstaltungsort einer Ausstellung.

Vom 16. bis zum 19. Juni fand das Design District Zagreb Festival statt. Bei über 80 Panels, Events und Ausstellungen stellten Designer, Architekten, Künstler und Stadtplaner in der kroatischen Hauptstadt sich und ihre Arbeit vor. Östlich des zentralen Platzes Trg Bana Josipa Jelacica hat sich in den vergangenen Jahren eine der aktivsten und spannendsten Kulturszenen Südosteuropas niedergelassen. Neben dem riesigen Nachbarschaftsgarten, der zum Miteinander und Austausch der Gegend einlud, waren besonders die Sit-Ins rund um die kleinen Boutiquen und Galerien der kroatischen Metropole Anzugspunkt für das junge, urbane Zagreb.

IKEA trifft auf Zagrebs Kunstszene

Es ist bezeichnend, dass einzig der Möbelriese IKEA das Potenzial der Kreativszene Zagrebs durchblickt hat und so partizipierten die Schweden in Form ihres Urban Garden auf dem Dach eines Wohnhochhauses am Geschehen. Mit Erik Olovsson schickten sie des Weiteren einen ihrer führenden Produktdesigner, um im Panel „Serious Play: The Importance Of Starting Form Yourself“ Interessierten ihr Credo einzuverleiben.

Höhepunkt des viertägigen Festivals war jedoch keine Ausstellung hipper kroatischer Möbelmanufakturen oder eine gemütliche Chill-Out-Zone mit lokalem Craft Beer, sondern ein verlassenes Militärkrankenhaus, das im Dienste der Kunst reaktiviert wurde.

Beklemmung im verlassenen Hospital

Evelina Turkovic nutzte das ehemalige Hospital für ihre Ausstellung „Slika od zvuka u gradu“ (Bild des Tons in der Stadt), für die sie auf drei Stockwerken drei Dutzend Audio-Installationen platzierte. Steht man auf dem menschenleeren Flur, umringt von eingeschlagenen Fenstern, abblätternden Putz und dem Mief der Natur, die sich ein seit Jahren unbenutztes Gebäude langsam aber sicher wieder holt, zieht sich der Magen bereits zusammen. Wenn dann auch noch ein Stimmengewirr aus all den offenen Türen und leeren Zimmern strömt, weicht dem Staunen schnell ein Gefühl der Beklemmung. Man malt sich aus, wie Krankenschwestern mit Hauben auf dem Kopf durch die Flure rennen, Oberärzte mit ihren Patienten sprechen und diese verschachtelten Räume und Gänge vor langer Zeit mit Leben gefüllt waren.

Es ist dem Team des Design District Zagreb Festivals und der Künstlerin zu verdanken, dass zumindest für vier Tage wieder Leben in diese dem Untergang geweihten Wände eingezogen ist.

Fotos aus dem verlassenen Militärkrankenhaus und der Audio-Ausstellung „Slika od zvuka u gradu“ findet Ihr hier: