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Ziviler Ungehorsam in Piquè

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Wie zur Queen, haben die meisten Briten auch eine Geschichte zu Fred Perry parat. Denn mit dessen Wimbledon-Sieg 1934 war nicht nur der erste Tennisstar der britischen Arbeiterklasse geboren, auch produzierte sein Unternehmen die erste Sportgarderobe, die ihre Wirkungsstätte verließ und zum Ausstatter nahezu jeder Subkultur wurde.

So wandelbar der Zeitgeist, so wandelbar auch das Beutungsgeflecht, in dem das weiße Piquè-Shirt erschien: Den Mods diente das Polo mit adrettem Kragen und Zweiknopfleiste als Verbindung aus Lässigkeit und elegante Modehommage an Jazzgrößen wie Miles Davis und Chet Baker. Die noch unpolitische Skinheadbewegung begrüßte die Kontrastkanten in Farben britischer Fußballclubs. Und jamaikanische Einwandererkinder paarten das Shirt in Rude Boy-Tradition zu schwarzem Anzug und Pork Pie Hut. Fred Perry nahm das 60-jährige Firmenjubiläum in diesem Jahr zum Anlass um den legendären Don Letts zu bitten, sechs Jahrzehnte britischer Gegenkultur zu porträtieren. Letts führte den Acme Attractions Store, brachte als DJ im Roxy Punks den Reggae näher, drehte später Musikvideos für Bob Marley, Elvis Costello oder The Clash, managte The Slits, gründete mit Mick Jones Big Audio Dynamite und widmet sich seit den Neunzigern hauptsächlich musikalischen Dokumentarfilmen wie z.B. „ Punk: Attitude“, „ Gil Scott-Heron: The Revolution Will Not Be Televised“ oder „ The Clash: Westway to the World“, für den er 2003 einen Grammy gewann.

So entstanden sechs Kurzfilme – zu Mods und Teddy Boys, Rudeboys, Soulboys und Skinheads, Punks und schließlich den Ravern der Achtziger und Neunziger –, die detailreich Einblick in die britische Gegenkulturbewegung geben. Und eben von zwei Gemeinsamkeiten berichten: Fred Perry und die Bereitschaft zum zivilen Ungehorsam. Oder um es mit den Worten des The-Specials-Gitarristen Lynval Golding aus dem Film zu sagen: “All you punks and all you teds/ national front and natti dreads/ mods, rockers, hippies and skinheads/ keep on fighting til you’re dead”.


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