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20 Punkte, die für ein Festival ohne Bands sprechen

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Dass da vorher keiner drauf gekommen ist: Im beschaulichen Hailtingen, das irgendwo zwischen München, Stuttgart, Freiburg und Friedrichshafen liegt, haben sich angeblich „echte Festival-Fans“ aufgemacht, ein Festival ohne Bands zu veranstalten. Es soll Festival-Fastfood, Campen neben dem Auto, Dixie-Klos, besoffene verrückte Nachbarn, Flunky Ball und Crowdsurfing, sogar Musik und Bühnen mit DJs geben – nur eben keine Bands.

„Die Idee zum Festival kam uns auf einem Festival, auf dem wir nicht viele Bands gesehen haben, jedoch einen beträchtlichen Ticketpreis zahlten“, erinnert sich Veranstalter David Lüke und trifft damit einen wunden Punkt unter Festivalbesuchern: Tatsächlich dürfte es jedem schon diverse Male passiert sein, dass man die erste Bands morgens um 11 Uhr wegen Kater verpasst hat und den Headliner abends um 22 Uhr wegen erneuter Trunkenheit – oder weil in einem kleinen Zelt am anderen Ende des Fesitvalgeländes ein gehypter Geheimtipp aufgetreten ist, den man dann ebenfalls verpasst hat, weil das Zelt aus allen Nähten platzte.

Das Festival ohne Bands soll vom 11.-14. Mai stattfinden, die Karten 20 Euro kosten. Finanziert wird der Rest via Crowdfunding, rund Dreiviertel der benötigten Summe wurde bereits eingesammelt. Bei 2000 Gästen wäre das Festival ausverkauft.

Je länger wir darüber nachdenken, desto weniger absurd erscheint uns die eigentlich absurde Idee eines Festivals ohne Bands – schließlich gehen wir doch wegen der Livemusik hin, nicht als Bierdosen stechende Eventtouristen!

20 Punkte, die trotzdem für ein Festival ohne Bands sprechen:

  1. Keine Auftritte von Linkin Park oder Limp Bizkit (wenn sich andere Festivals daran ein Beispiel nehmen, muss sich letztere Band vielleicht sogar endlich auflösen)!
  2. Auf einem Festival ohne Bands muss man sich nicht darüber ärgern, dass Frank Ocean, Mannequin Pussy oder Bon Iver hier ja mal wieder nicht spielen (und im Umkreis von 500 km auch nirgendwo!).
  3. Auf einem Festival, für das keine Bands zugesagt haben, können auch keine Bands absagen. #nullenttäuschungspotential
  4. Wenn mir einer sein Smartphone ins Sichtfeld hält, schaue ich einfach anderswo hin.
  5. „Schau, da sitzen ja Amseln im Baum! Und die Wolke da oben sieht aus wie der Sänger von …“ „Jetzt lass das doch mal!“
  6. Einfach mehr Geld übrig (für Edelbrand und Schnitzelsandwich oder ein Smartphone mit besserer Kamera fürs nächste Festival mit Bands oder ein Kurzabo für das Musikmagazin meines zurückgewonnenen Vertrauens).
  7. Beim DJ kann ich mir ja vielleicht sogar was wünschen, Livebands stehen da ja meistens nicht so drauf.
  8. Ich werde nicht der Illusion beraubt, dass die Chili Peppers, die Hosen oder AnnenMayKantereit (gerne eigene Beispiel-Helden einfügen) es auf ihre alten Tage live trotzdem noch voll bringen.
  9. Der Zeltaufbau hat sich endlich mal richtig gelohnt, wenn man einfach drin liegen bleibt.
  10. Drei Tage Flunkyball nonstop und ich bin auf Jahre unschlagbar!
  11. Ich kann mit Jasmin aus Finnentrop, Olaf aus Lohr am Main oder Jordan aus Richmond einfach hier sitzen bleiben und mich ordentlich am Stück (unglücklich) verknallen.
  12. (Selbst mit Madleen, der süßen Sanitäterin, kann ich endlos quasseln, sie hat ja sonst nichts zu tun hier.)
  13. Endlich duschen ohne eine strategisch optimale Stellung aufgeben zu müssen.
  14. Es tragen einen keine Securitys vom Ort des Geschehens weg.
  15. Neben Circle Pits und Crowdsurfing sind ja vielleicht auch mal ein (Saturday Night Fever) Line Dance oder eine Damenwahl-Runde drin.
  16. Überhaupt: das Gefühl der Zeitlosigkeit aka „Fuck Termindruck!“
  17. Deine Titten tauchen nicht im WDR oder im Livestream auf.
  18. Drei bis vier Outfits am Tag! Mach dich festivalschick! („Ui, ich glaube, da packe ich das kurze Rote mit dem Blumenmuster einfach auch noch mit ein!“)
  19. Man versteht endlich mal sein eigenes Wort! … Halt, nein, doch nicht …
  20. „Ich habe übrigens gehört, die Donots wollen trotzdem kommen, auch wenn sie nicht spielen dürfen – ist ja trotzdem ein Festival hier.“

Warum man den Vergleich von Festivals und Flüchtlingscamps wagen muss

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