5 Musikfilme, die Ihr gesehen haben müsst – und im Stream nun sehen könnt


Music Sounds Better On Film: "Fraktus", "Berlin Calling" und andere sehenswerte Musikfilme jetzt als VoD zuhause schauen.

Musik zu Filmen? Geschenkt! Gibt es schon seit seligen Stummfilmzeiten und ist mittlerweile vor allem für die Majors die beste Gelegenheit, ihre Bands noch irgendwie im multimedialen Kosmos zu platzieren. Musik im Film? Schon schwieriger.

Wie dies jedoch perfekt funktionieren kann, zeigten letztlich erst die Coen-Brüder in ihrer in Moll gehaltenen Hymne „Inside Llewyn Davis“, der am 10. April 2014 auf DVD und Blu-ray erscheint.

Als kleine Vorbereitung haben wir schon einmal eine kleine Auswahl von Titeln zusammengestellt, die ihre Musikleidenschaft zwar wunderbar ausleben, die aber ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Wer Lust bekommen hat auf mehr: Bei den Jungs der Filmplattform 1o1 kann man die Filme sofort online genießen.

Sound Of Noise

Zugegeben, jede Form der Performance-Kunst ist zunächst ein wenig suspekt. Schließlich schwingt dabei stets der – meist unbegründete – Verdacht der Mogelpackung mit, wenn DIY-Auftritte gewaltsam mit einem Kunstkonzept gerechtfertigt werden. Die Aktionen der Guerilla-Künstler in der skurrilen schwedischen Krimikomödie „Sound Of Noise“  fallen jedoch definitiv in die Kategorie von Performancekunst, der wir liebend gerne beiwohnen würden.

Denn das Konzept des Quartetts rund um Anführerin Sanna (Sana Persson) klingt verlockend: Die Stadt als riesiges Instrument zu bedienen, um ungewöhnliche Kompositionen zum Leben zu erwecken. Ein Operations-Saal samt Wiederbelebungsgeräten und Patienten wird da als Musikinstrument missbraucht oder eine Bank durch musikalischen Überfall zum Klingen gebracht. Eine tolle Idee, lediglich der Ermittler Amadeus (Bengt Nilsson) hat etwas dagegen und jagt die Musikterroristen quer durch die namenlose Stadt. Derweil steht deren größter Auftritt erst noch bevor. Als Film eine brillante Idee, die das musikalisch bewanderte Regieduo Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson mit lakonischem Witz und charmanten Einfällen umgesetzt haben.

„Sound Of Noise“ jetzt im Stream sehen

The Broken Circle

Regisseur Felix Van Groeningen hatte bei uns ja bereits seit seinem wunderbar miefig-tristen wie lakonischen Provinzdrama „Die Beschissenheit der Dinge“ einen Stein im Brett. Dass nun sein Americana-Bluegrass-Beziehungs-Drama sowohl mit anrührender Geschichte als auch mit gewitzter Inszenierung begeistert, verwundert von daher wenig. 

Die Liebesgeschichte zwischen dem Banjo-Musiker Didier und der Tattoo-Künstlerin Elise ist dabei so unironisch anrührend wie einfühlsam erzählt: Denn während die beiden so verschiedenen Außenseiter in Liebesdingen noch zusammenfinden, stellt die Krankheit der gemeinsamen Tochter die Beziehung auf eine harte Probe. Visuell bezaubernd in seiner Verortung von Americana-Kitschinsignien in der tristen belgischen Provinz und untermalt von den perfekt gewählten Country-Songs ein bewegender Film, der völlig zu Recht für den diesjährigen Auslands-Oscar nominiert war.

„The Broken Circle“ jetzt im Stream sehen

Sound It Out (OV)

So sieht es wahrscheinlich aus, wenn „High Fidelity“ ins echte Leben verpflanzt wird. Denn was Nick Hornby im Buch und anschließend Stephen Frears im Film für den angehenden und fortgeschrittenen Musikgeek exemplifiziert haben, das ist in Jeanie Finlays Dokumentation „Sound It Out“ Männerherzen erwärmende Realität. Sie hat sich in ihre nordenglische Heimat Teesside begeben und via Crowdfunding ein Porträt des letzten Schallplattenladens im Ort auf die Beine gestellt.

Ein charmantes und von viel Gefühl getragenes Porträt auch seines Besitzers Tom Butchart, der zu so ziemlich jedem seiner Vinylschätze eine Geschichte erzählen kann. Wie fast jeder der Musikliebhaber, die den Laden durch regelmäßige Besuche bis heute am Leben erhalten. Das müsste alleine seines nerdigen Personals wegen eigentlich ein echter Männerfilm sein. Aber gerade, weil eine Frau dafür verantwortlich zeichnet, eröffnet dieser Blick ins Herz hingebungsvoller Vinyljunkies vollkommen neue Perspektiven.

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Fraktus

„Das letzte Kapitel der Musikgeschichte“ will auch diese Dokumentation aufdecken. Die im engeren Sinn freilich gar keine ist. Vielmehr eine Art groß angelegter „Studio Braun“-Streich, der in bester „Mockumentary“-Manier die Geschichte einer Band erzählt, die es nie gegeben hat. Produziert u. a. von Fatih Akin, lässt Regisseur Lars Jessen hier die Laiendarsteller Heinz Strunk, Rocko Schamoni und Jacques Palminger in die Rollen ganz offensichtlich hängengebliebener Elektropioniere schlüpfen, denen mit Devid Striesow ein schauspielerisches Schwergewicht den Weg zurück ins Rampenlicht ebnen will.

Das saukomische Ergebnis liefert nicht nur erhellende Einblicke ins Funktionieren der Musikindustrie, es lässt auch das Herzblut erahnen, mit dem die Beteiligten bis hin zum fertigen Backkatalog einer vollkommen fiktiven Musiklegende Leben eingehaucht haben. Ein Unterfangen, dem übrigens von halb Musikdeutschland (u. a. H.P. Baxxter, Jan Delay, Peter Illmann) zusätzlich Credibilität verliehen wurde.

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Berlin Calling

Wir wissen – ein Überblick der Kunstgeschichte zeigt es –, dass Genie und Wahnsinn nahe beieinander liegen. Im Fall des Techno-Dramas von Regisseur Hannes Stöhr erhält diese dünne Trennlinie eine neue Dimension, schließlich handelt es sich bei DJ Ickarus (Paul Kalkbrenner) nicht um einen großen Star, der sich Allüren leisten kann, sondern um einen jener Club-Malocher, für die der große Durchbruch immer eine Armlänge entfernt bleibt.

Interessanterweise ist es Live-Act-Hallenfüller Kalkbrenner, der als Musiker zwischen drogenumnebelten Partynächten und alltäglicher Ernüchterung mental zu zerbrechen droht. Weshalb der Abstecher in die Psychiatrie dem angeschlagenen Künstler helfen soll. Untermalt von Kalkbrenners erstaunlich stimmungsvollen Tracks und mit dessen überraschend darstellerischem Geschick versehen, ist „Berlin Calling“ ein ungewöhnlicher wie emotional anrührender Blick hinter die Kulissen der elektronischen Musik.

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