Spezial-Abo
Highlight: Diese Musiker haben die meisten Instagram-Follower

Konzertbericht

Beyoncé und Jay-Z in Berlin: Performte Liebe


Beyoncé und Jay-Z – das bedeutet nicht nur doppelte Kaufkraft, sondern auch doppeltes Charisma und doppeltes Repertoire. Beyoncé vollführt jeden Ton, jede kleine Bewegung mit dem Charisma und der Genauigkeit einer perfekten Performerin. Wie ein Chamäleon wechselt sie zwischen der wildgewordenen Lust von „Drunk In Love“ und „Naughty Girl“ zur gebieterischen Wucht von „Formation“, zur romantischen Ballade („Resentment“) und zur feministischen Powergeste: „Who run the world? Girls!“ Jay-Z ist im Wechsel mit ihren weißglühenden, exakt durchchoreografierten Bühnenperformances die Lässigkeit in Person. Dass er nicht überstrahlt wird, liegt zum einen an seinem eigenen Arsenal aus HipHop-Hits („Niggas In Paris“, „Big Pimpin’“, „Fuckwithmeyouknowigotit“) und zum anderen daran, dass er in den 135 Minuten der Show mehr Kostümwechsel durchläuft als seine Frau. Zu „99 Problems“ trägt er eine kugelsichere Weste. Auf der Leinwand dazu: Mugshots berühmter Musiker, Bowie, Jagger, 50 Cent. Eine weitere Ahnengalerie.

Sie sind schon süß, die Zwei

Umgeben und umspielt werden die beiden Superstars von 17 Tänzerinnen und einer 26-köpfigen Band, die in einem gigantischen Setzkasten übereinander stehen. Und immer mal wieder schweben sie auf einer riesigen Plattform über das Publikum. Alles ist big, big, big. Trotzdem vermisst man ein wenig die politische Wucht von Beyoncés Coachella-Auftritt, diese besondere Machtdemonstration als Frau und als Afroamerikanerin, die sie – auch zusammen mit Jay-Z – in den letzten zwei Jahren perfektioniert hat. Stattdessen gibt es eben ganz viel performte Liebe. Und einen verspiegelten Thron, auf dem sie beide sitzen, jeder auf einer Seite, Rücken an Rücken. Und als großes Finale „Forever Young“, bis alle Handylichter funkeln und sie wieder Hand in Hand verschwinden.

Zwei, drei Momente gibt es dann aber doch an diesem Abend, gegenseitige Blicke und Gesten, in denen man ihnen diese konsumierbare Liebe tatsächlich glauben kann. Sie sind – und das kann man mal in seiner ganzen schönen Einfachheit sagen – schon irgendwie süß zusammen, die Zwei. Das wiederum ist eigentlich alles, was man von einem Pop-Spektakel verlangen kann. Die Wahrheit kennen ohnehin nur die Performer. And the show must go on.

Kevin Mazur Getty Images For Parkwood Entert


Drake überrascht mit zwei neuen Tracks – hier streamen
Weiterlesen