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Popkolumne, Folge 57

Corona vs. Konzerte, Superbusen, Lil Peep, sag‘ alles ab: Volkmanns Popwoche im Überblick

von

Paula Irmschler ist jetzt um die 30, ihr Buch präsentiert eine nostalgische Ich-Erzählerin, die durch ihr altes Studi-Leben in Chemnitz geistert und dabei eher sehnsuchtsvoll denn ironisch ganz viele Pop-Insignien des Bravo- und Yam-erprobten Millenials betrachtet. Britney, Oli.P, No Angels, Oasis: Es wird kein cooler Kanon gesponnen sondern – und das ist die Stärke des Buchs gemeinhin – es geht um persönliche Wahrhaftigkeit.

Nichts soll schöner, nichts schlechter sein. Die Lebenswelt der Protagonistin, die irgendwann tatsächlich die Band aus der Ursprungsidee gründet, spielt sich aber nicht im Jahre 2000, sondern im Hier und Jetzt ab. Neben dem Millenial-Coming-Of-Age erlebt man daher auch das Chemnitz, das Sachsen der Gegenwart. Nazis, Vorurteile, Liebenswürdigkeiten, die Menschen – alles existiert gleichzeitig und wird nicht in prototypische Kulissen gepackt, sondern einfach beschrieben.

„Wenn Du etwas nicht ändern kannst, dann musst Du es wenigstens genau beschreiben.“ An diesen Fassbinder-Satz musste ich oft denken bei diesem Buch – und an Stuckrad-Barres „Solo-Album“, diesem Nukleus eines deutschen Pop-Romans. Als Beispiel dafür hier eine Szene aus „Superbusen“, die sich mit WGs beschäftigt (was ja auch eins der unterhaltsamsten Topoi in Stuckrad-Barres „Solo-Album“ darstellte):

„Gekochte Nudeln stehen quasi immer im Topf auf dem Herd, und man weiß nicht mehr, von wann und von wem die sind. … Jemand hat wieder keine Milch gekauft. Milch ist die Währung in Wohngemeinschaften. Vergleich: Zigaretten im Knast“.

Okay, da ich den Platz längst gesprengt habe, schließe ich. „Superbusen“ ist das Buch des Jahres. Lektüre, die einen die Quarantäne vergehen lässt wie nix.

Dieses Foto ist sicher im Sinne der Autorin

MINI-INTERVIEW DER WOCHE: GREGOR MCEWAN

Der bärtige Mann, sein Hund und seine Kunst sind mir schon länger ein Begriff, mittlerweile kenne ich ihn sogar von der Arbeit. Vor allem aber teilen wir eine Liebe zu 90er-Emo-Bands. Jetzt rührt mich der neue Song von Gregor McEwans wieder so sehr, muss den Typen einfach mal vorstellen, sonst platze ich:



Ich scheiß auf Katzencafés!* – Paulas Popwoche im Überblick
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