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David Bowie: Der Stern über seiner Schulter

Im Video zu „Blackstar“ schlüpft Bowie in drei Rollen. Da ist der hilflose Mann mit bandagiertem Gesicht und Knöpfen anstelle der Augen. Da ist der Wanderprediger vor Theaterkulisse mit dem heiligen Buch. Da ist der flamboyante und körperbewusste Tänzer, der seine Moves noch draufhat. Und da ist, nicht zu vergessen, der tote Astronaut – ein „Major Tom“, dessen Schädel mit Juwelen besetzt ist und der in einem okkulten Ritus zum Gott erhoben wird.

Das Video zu „Lazarus“ lässt sich noch eindeutiger als Metapher auf den Tod, aber auch als Vermächtnis lesen. Bowie, wieder bandagiert, levitiert auf dem Sterbebett, unter dem im Form einer Frau bereits das Grauen herumhuscht. Zugleich tritt er uns, ein letztes Mal, agil und kreativ entgegen – im gleichen hautengen schwarzen Anzug mit den weißen diagonalen Streifen, den er vor 40 Jahren auf dem Backcover von STATION TO STATION getragen hat. Inspiriert von dem Schädel auf dem Schreibtisch, den wir aus dem „Blackstar“-Video kennen, schreibt er mit einem Füllfederhalter wie besessen – und nicht unkomisch, wie ein gehetzter Buster Keaton – an letzten Worten, zu denen auch „Help me“ zählt. Zuletzt verschwindet er rückwärts in einem Schrank wie in einer anderen Dimension. Dem Regisseur selbst erklärt Bowie, das sei ein Scherz darüber, dass er selbst zu Beginn der 70er-Jahre „out of the closet“ kam – und nun wieder darin verschwindet. Wohin auch immer.

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