Spezial-Abo
Highlight: Das sind die besten Netflix-Serien

Kritik

Die Mini-Serie „Unorthodox“ bei Netflix: Die wahre Geschichte einer Emanzipation

Fast dokumentarisch begleitet die Kamera Esty bei all ihren Schritten und verzichtet dabei auf ausgefallene Einstellungen oder Schnitte. Der Fokus der Mini-Netflix-Serie liegt klar auf der spannenden Geschichte selbst, die gerade durch ihre Authentizität zu überzeugen weiß. Umso glaubwürdiger wirkt sie durch die großartige Leistung der Darsteller*innen – wobei die nuancierte Mimik der Hauptdarstellerin Shira Haas ganz besonders hervorsticht. Auf Glaubwürdigkeit wurde bei dieser Produktion übrigens generell großen Wert gelegt: Alle Rollen der ultraorthodoxen Gemeinschaft wurden mit jüdischen Schauspieler*innen besetzt, gesprochen wird eine Mischung aus Jiddisch und Englisch und ein Beraterteam steuerte Expertise zu den speziellen Ritualen der rund 120.000 Mitglieder umfassenden Satmar-Community bei.

Ganz ohne Pathos und Klischees, dafür mit universeller Botschaft

Eine besondere Sensibilität, die aufgrund der Tatsache, dass der Stoff auf der wahren Geschichte Deborah Feldmans basiert, durchaus angebracht ist. Die titelgebenden Memoiren der Autorin, die in Berlin lebt, avancierten 2012 zum weltweiten Bestseller. Die Adaption weicht zwar in einigen wichtigen Punkten von ihrer Biografie ab, aber der Geist ihrer Emanzipationsgeschichte bleibt erhalten. Das mag auch daran liegen, dass es sich bei „Unorthodox“ eben nicht um effekthaschendes Sensationskino handelt. Feldman ließ sich lange Zeit mit einer Verfilmung, lehnte Angebote von männlichen Regisseuren aus Hollywood bewusst ab und vertraute ihre Erlebnisse stattdessen einem rein weiblichen Trio, bestehend aus den Drehbuchautorinnen Anna Winger („Deutschland 83“) und Alexa Karolinski („Oma & Bella“) sowie der Regisseurin (und Schauspielerin) Maria Schrader („Vor der Morgenröte“), an.

Gemeinsam ist ihnen eine lebensbejahende Geschichte geglückt, die gänzlich ohne Klischees auskommt, da sie den Figuren genug Raum für verschiedene Facetten lässt. Trotz der speziellen Thematik der Serie ist es dem Filmteam gelungen, ohne jeglichen Pathos, die universelle Botschaft zu vermitteln, dass die Freiheit, seinen eigenen Weg zu gehen, manchmal gegen viele Widerstände erstritten werden muss – dass die Mündigkeit diesen Kampf aber immer wert ist. Am Ende ist es dann fast schon egal, wie Esty ihren neuen Weg in Berlin geht.

Anika Molnar/Netflix Anika Molnar/Netflix


„Basar des Schicksals“ auf Netflix: Herzschmerz und Intrigen wie aus der Disney-Hölle
Weiterlesen