Die Sterne, Zoot Woman, J Mascis und Sinkane – die Alben der Woche vom 29. August 2014

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Album der Woche: Die Sterne – FLUCHT IN DIE FLUCHT

Auf seinem außerordentlich trockenen Schlagzeug spielt Christoph Leich genau elf Takte, bevor Thomas Wenzel mit einem so genüsslich spielverliebten Basslauf einsetzt, wie ihn hierzulande im Rock nur noch wenige spielen können – oder wollen. Und während man sich noch darüber freut, gesellt sich mit Stimme und verzerrter Bratzgitarre auch schon Frank Spilker hinzu, der „Beißer“ unter Deutschlands intellektuelleren Sängern – und die Sterne sind wieder da.

Zoot Woman – STAR CLIMBING

An welchem Stellschräubchen der Popmaschine nur ein klein wenig gedreht werden müsste, um aus Zoot Woman doch noch die Lieblingsband Tausender romantischer Hüpfer zu machen – ausgerechnet Stuart Price, die Hitmaschine hinter Madonna und den Killers, wird es wohl nie herausfinden.

Sinkane – MEAN LOVE

Was MEAN LOVE so besonders macht, ist die Entspanntheit: Ahmed Gallab zeigt sich auf dem Cover in blauem Licht vor grüner Kulisse – es muss eine wirksame Art der Bestrahlung sein. Der Reggae-Pop „Young Trouble“ klingt so locker aus der Hüfte geschossen, wie Reggae-Pop unbedingt klingen muss, um nicht in gefährlich seichte UB40-Gewässer zu geraten.

J Mascis – TIED TO A STAR

Okay, J Mascis solo, die dritte. Wieder akustisch, weitgehend. So völlig hat er sich doch nicht beherrschen können. Gelegentlich lässt der grauhaarige Mastermind hinter Dinosaur Jr. auch auf TIED TO A STAR dann doch wieder die bis zum Anschlag verzerrte Gitarre von der Leine, wie wir sie kennen und schätzen.

Erland & The Carnival – CLOSING TIME

Zwei sehr lebhafte Alben veröffentlichte die Gruppe Erland & The Carnival in ihrer Karriere bislang. Zwei Alben, die verdeutlichten, warum sich das Wort Carnival im Bandnamen findet. Schwirrende, bisweilen schattige Musik zwischen Folk­lore, Kirmes, trickreichen Elektronik-Sounds und Psychedelia gab es auf dem Debütalbum Erland & The Carnival und dem Nachfolger NIGHTINGALE (2011) zu hören, aber das liegt nun auch schon einige Jahre zurück.

Orenda Fink – BLUE DREAM

Orenda Fink, eine Hälfte des US-Duos Azure Ray, knipst mit BLUE DREAM den Sommer aus und ruft stattdessen Erinnerungen an nasse Hosenbeine und Rooibosteesorten wach.

Jennie Abrahamson – GEMINI GEMINI

Zuletzt machte Jennie Abrahamson vor allem durch zahlreiche Nebenprojekte auf sich aufmerksam. Neben ihrem Engagement in der Band von Ane Brun begleitete sie als Backgroundsängerin ihr Kindheitsidol Peter Gabriel auf seinen Europa- und Nordamerika-Tourneen. Ihre Solokarriere lag deshalb erst einmal auf Eis. Im letzten Jahr hatte sie dann endlich wieder genug Zeit, neue Songs zu schreiben.

Teesy – GLÜCKSREZEPTE

Was im Pop erfolgreich ist, zieht nicht nur Kopisten nach sich, sondern, wie so oft, artverwandte Züchtungen aus eigenem Hause. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Chimperator-Lager aus Stuttgart einen zweiten Cro ins Rennen um die Krone des Raop schicken würde. Nämlich: den Lehramtsstudenten Teesy.


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