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Kommentar

Drohungen gegen Feine Sahne Fischfilet: „Hitlers Enkel“ missbraucht die Angst nach dem Bataclan-Terror

Mit den Ereignissen der vergangenen Jahre im Hinterkopf erscheint es nun besonders perfide, was sich in den vergangenen Tagen im Vorfeld oder während einer Veranstaltung der Band Feine Sahne Fischfilet abgespielt hat. Am Donnerstag spielte die Band in Chemnitz, bereits im September traten sie dort auf dem „Wir sind mehr“-Konzert auf und spielten gegen Rassismus und Rechtspopulismus an. Die Band engagiert sich seit Jahren gegen Nazis, handelte sich durch einige Textzeilen aber auch zeitweise eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz ein. Diese Tatsache wurde nach „Wir sind mehr“ wieder zum Thema, die Band zum Hassobjekt vieler Rechtspopulisten und Ausländerfeinde.

„Vollmantelgeschosse aus Sturmgewehren“

Am Donnerstagabend nun übermittelte eine bisher unbekannte Person eine Bombendrohung bei der Chemnitzer Polizei. Das vermeintliche Ziel sei das Konzert der Band im Alternativen Jugendzentrum gewesen, 550 Gäste waren in Gefahr. Die Polizei Chemnitz räumte den Saal, durchsuchte das Gebäude und wurde zum Glück nicht fündig – das Konzert fand statt.

 

Zwar ist im Fall der Bombendrohung von Chemnitz noch nichts aufgeklärt, der unbekannte Anrufer noch nicht identifiziert. Das Schema erinnert aber an einen Vorfall, der sich einen Tag zuvor zutrug. Am Mittwoch sollte in einem Kino in Bad Schwartau (Schleswig Holstein) die Dokumentation „Wildes Herz“ von Charly Hübner gezeigt werden. Darin geht es um das politische Engagement von Feine Sahne Fischfilet, die vor allem in ihrer Heimat Mecklenburg-Vorpommern Kampagnen gegen Rechtspopulismus und auch die AfD gestartet hat. „Wildes Herz“ sollte Schülern gezeigt werden, wegen Sicherheitsbedenken wurde der Termin allerdings abgesagt. Via Mail drohte ein selbsternannter „Enkel von Adolf Hitler“ damit, das Kino in die Luft zu jagen, unter anderem berichtete die „taz“ darüber. „Volksverräter“ würden laut Drohung außerdem „mit 7,62mm Vollmantelgeschossen aus Sturmgewehren“ erschossen werden.

Sabotage und Einschüchterung

Innerhalb von zwei Tagen wurden zwei kulturelle Veranstaltungen mit den Ängsten konfrontiert, die in den vergangenen Jahren mehrfach Realität wurden. Und in den sozialen Netzwerken gab es noch Applaus für die Unbekannten, die mit ihren Aktionen nicht nur eine von ihnen verhasste Band ins Visier nehmen, sondern eben auch etliche weitere Menschen. Ein Kino und eine Konzerthalle wurden zu Zielen von Anschlägen erklärt, auch wenn Gott sei Dank „nur“ mit dem Zweck der Sabotage und Einschüchterung. Dass diese Straftaten mutmaßlich von Tätern aus dem rechten Spektrum begangen wurden, offenbart besonders die moralische Verdorbenheit der aktuell von sich selbst berauschten rechten Bewegung in Deutschland.



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