Eels – End Times

Man könnte Eels-Alben in zwei Rubriken unterteilen: „Fiction“ und „Nonfiction“. END TIMES gehört in die zweite Kategorie, es ist nach ELECTRO-SHOCK BLUES und BLINKING LIGHTS AND OTHER REVeLATIONS das dritte große autobiografische Werk Mark Oliver Everetts. Nach dem aus der Perspektive eines fiktiven Charakters erzählten HOMBRE LOBO berichtet E diesmal wieder ganz dokumentarisch über sein Leben, das von je her nicht arm an Leid gewesen ist. Dass er nach nur sechs Monaten schon wieder mit einer neuen Songkollektion an die Öffentlichkeit tritt, hat einen konkreten Anlass, wie immer keinen erfreulichen: END TIMES verarbeitet eine schmerzhafte Trennung, die Everett nicht näher erläutern will, die er aber umso rührender in Musik übersetzt. Nach den vergangenen Arrangement-Orgien aus Samplegebastel, Streicherensemble-Auftritten und Rockanwandlungen bleibt er diesmal reduziert wie nie zuvor, oft allein mit ein paar sparsamen Instrumenten, selbst in Rockmomenten einsam im Hall eines karg und leer klingenden Raumes. END TIMES ist Everetts NEBRASKA, aufgenommen im Keller mit Vierspurbandgerät; Musiker, die einst Bandmitglieder waren, kommen nur als „guest appearances“ am Rande vor. In der Welt da draußen, in die er sich nur sporadisch wagt, sieht E seine persönliche Seelenpein widergespiegelt; die Selbstzerstörung, die Feindseligkeiten, die Misskommunikation, die seine Beziehung ruiniert haben, sieht er auch im größeren Gesellschaftskontext am Werk. Die Apokalypse, auf die der Titel des Albums anspielt, ist die Katastrophe im Kleinen, im Umgang der Menschen miteinander, die den Einzelnen vereinsamt und mit sich selbst allein lässt. Aber der Erzähler hier ist nicht der E von vor zehn Jahren – der suizidale Ton des Eels-Frühwerks ist einem mild resignativen Realismus gewichen. Im Badezimmer, in dem früher Leben endeten, hat sich heute nur eine zickige Geliebte eingeschlossen, die den Protagonisten zwingt, seine Notdurft im Garten zu verrichten. E muss darüber lachen – ein bitteres Lachen, aber ein Lachen, das schon weiß, dass es irgendwie weitergeht.

Michael Wopperer – 25.01.2010

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