Highlight: Diese fast vergessenen Songs feiern 2020 ihr 20. Jubiläum

Popkolumne, Folge 53

Gegen Eminem, The Strokes, Gwyneth Paltrow und Trump, für Finna, EA80 und Kaleo Sansaa: Die Popwoche im Überblick

Dass es gerade in Deutschland für den Siegeszug von HipHop im Mainstream einen blonden Typ gebraucht hat – geschenkt! Ich meine, Eminem selbst hatte es auch nicht leicht damals!!!11 Das wissen wir ja wohl alle seit „8 Mile“ – und dass oft letztlich die wahren Opfer von Diskriminierung Weiße sind, wissen wir spätestens seit der AfD.

Also, was hat Eminem nicht alles für die Popkultur getan? Seine Kunst und vor allem diese Platte hier etablierte Schimpfworte wie „Faggot“ auch auf den hiesigen Pausenhöfen. Die ganze LGTBQI*-Community schätzt sich bis heute glücklich, dass Marshall Mathers a.k.a. Eminem aus den Ressentiments gegenüber ihr seine Weltkarriere gebastelt hat. Ich sage mal so: Da sind andere sind schon für weniger in der Hölle gelandet, Alter! Aber Rap-Texte sind ja per se unangreifbar – und meinen zur Not eh immer das Gegenteil, jaja.

Doch ich möchte ohnehin auf etwas ganz anderes hinaus. Und zwar: Was für ein Tagesgeschäft der fluide HipHop gerade im Sound ist, kann man sehr gut an der „The Marshall Mathers LP“ hören. Die Platte klingt heute nämlich nicht ehrfurchtgebietend Old School, sondern komplett abgehängt – quasi an der Schwelle zur Sound-Satire.

Dagegen sind die Alben von Cappuccino, Der Wolf oder den Massiven Tönen noch besser gealtert. Was natürlich nicht darüber hinweg täuschen soll, dass der Eminem-Song „Stan“, dieses melodramatische Kitsch-Duett mit Dido, auch damals schon eine einzige Zumutung darstellte – und später eine Art Blaupause lieferte für unheilige Charts-Allianzen wie, sagen wir mal, Revolverheld und Martha Dingsda von Die Happy.

Mein Fazit: Wer heute noch an der „The Marshall Mathers LP“ und Eminem festhält, kann gleich auch Jan Delay den Wagen waschen, denn dann ist eh schon alles egal.

– Linus Volkmann („Musikjournalist“)

Was bisher geschah? Hier alle Popkolumnentexte von (Julia Lorenz und) Linus Volkmann im Überblick.



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