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Kritik

„Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“ auf Netflix: Will Ferrells peinliches Waterloo

Witze über Cameltoes, Inzest und vermeintlichem Elfenglauben

Das Vorhaben scheitert bereits daran, dass der Film beinahe verzweifelt versucht zu parodieren, was nicht zu parodieren ist. Russische Backgroundtänzer in engen goldenen Hosen, die einen Sänger (Dan Stevens) unterstützen, der nicht weniger homosexuelle Vibes versprüht, gleichzeitig aus Sorge vor der strafenden Hand Mütterchen Russlands aber seine totale Heterosexualität beteuern muss – das lässt sich nun mal nicht überspitzen. Dasselbe trifft auf den fiktiven griechischen Beitrag zu, in dem sich die Künstlerin im knappen Kleid auf der Bühne rekelt, umgeben von sich ebenso lüstern gebenden Tänzerinnen – hier ist die homosexuelle Komponente natürlich ausdrücklich erwünscht, zumindest als Fantasie für den männlichen Zuschauer. Das alles wirkt so authentisch, dass es genauso Teil des echten Wettbewerbs sein könnte – eine Pointe gibt es nicht.

Des Weiteren versucht der Film, Regie führte übrigens David Dobkin („Die Hochzeits-Crasher“), durch ein Witzearsenal zu punkten, das sich hauptsächlich auf Gags über Genitalien, die vermeintlich inzestuösen Familienverhältnissen Islands (ob Lars und Sigrit Geschwister sind, lässt sich nicht ausschließen) und den vermeintlichen Aberglaube an Elfen der generell ach so rückständigen Isländer*innen verlässt. Würden sie denn sitzen, könnte man über den leichten Beigeschmack von Überheblichkeit hinweglachen, so taugen die Witze selten zu mehr als zum Fremdschämen.

Erzwungene Romantik und deplatzierter Pathos

Größter Anlass zur Freude für ESC-erprobte Zuschauer*innen ist wahrscheinlich die authentische Musik, für die Komponist Atli Örvarsson („Killer’s Bodyguard“) verantwortlich ist. Auch erfreuen die Cameo-Auftritte gegen Mitte des Films: Mit dabei sind unter anderem der norwegische Sieger Alexander Rybak (2009), die Schwedin Loreen (2012), Conchita Wurst aus Österreich (2014) und der stets bissige Kommentator Graham Norton.

In Birmingham, wo sich „Fire Saga“ zunächst noch für das Finale qualifizieren muss, wird dann zu allem Überfluss noch erstaunlich viel Zeit auf das ebenso plötzliche wie überflüssige Liebesdrama zwischen Lars und Sigrit verwendet. Es beschert der Komödie nicht nur zusätzliche Längen, sondern mündet zudem in einem uninspiriertem Happy End, das vor deplatziertem Pathos nur so strotzt. Ob die abschließende Liebeserklärung an den Contest nun würdigendes oder parodistisches Element sein soll, wird nicht ganz klar. Fest steht, dass eine klamaukige, aber liebevoll-skurrile Veranstaltung, die fast schon zu einer eigenen europäischen Institution – in jedem Falle zur LGBTQ-Festivität – avanciert ist, auf eine vermeintliche Adelung gar nicht angewiesen ist.

„Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga“, jetzt auf Netflix im Stream verfügbar

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