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Whitewashing in Hollywood: Schöne weiße Welt

Scarlett Johansson als Motoko Kusanagi.
Scarlett Johansson als Motoko Kusanagi.

Von amerikanischer Seite aus ist ein weltweiter Kinostart einfach zu realisieren. Aber nur, wenn die weibliche Figur, um die sich in „Ghost in Shell“ alles dreht, mit einem Superstar besetzt ist, mit dem sich bereits vor Kinostart genügend Aufmerksamkeit generieren lässt. Also muss Johansson zur Japanerin werden. Es ist ein Dilemma, in dem finanzielle Interessen am Ende immer wichtiger sind als die korrekte Ethnie der darzustellenden Figur. Im Zuge der Debatte um „Ghost in the Shell“ verteidigte Drehbuchautor Max Landis („American Ultra“) die Besetzung mit Johansson sowie systematisches Whitewashing in einem YouTube-Video:

Dass ein Projekt mit der Größe von „Ghost in the Shell“ – immerhin wird Regisseur Rubert Sanders mit einem Budget jenseits der 100 Millionen US-Dollar hantieren können – einen weißen Megastar als Lead-Actress benötigt, ist zwar nicht wünschenswert, aber zumindest nachvollziehbar. Andere Casting-Entscheidungen in aktuellen Filmprojekten lassen da weniger Rechtfertigung zu. Warum für die bald startende Biografie über die Sängerin Nina Simone erst die hellhäutigere Zoë Saldana gecastet und anschließend wieder dunkelhäutiger geschminkt wurde, lässt sich nur noch schwer erklären. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Saldana durch ihre Rollen in „Guardians of the Galaxy“ und „Avatar“ auch viele Fans außerhalb der schwarzen Community in den USA hat. In beiden Filmen war sie übrigens komplett grün beziehungsweise blau geschminkt.


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Marvel, das sich gemeinsam mit Disney jüngst löblich für sexuelle Gleichberechtigung im US-Bundesstaat Georgia einsetzte, muss sich gerade ebenfalls einer Whitewashing-Debatte stellen: Für den „Dr. Strange“-Film wurde Tilda Swinton für die Rolle des „Ancient One“ engagiert. Und der ist in den Comics männlich und tibetanischer Herkunft. Baron Mordo, ein Superschurke aus den Comics, wurde stattdessen mit einem schwarzen Darsteller (Chiwetel Ejiofor) besetzt. In der entsprechenden Vorlage ist die Figur weiß.

Wie lange sich die momentanen Whitewashing-Kontroversen halten oder ob sie wirklich nur als kurzes Nachbeben der Oscarverleihung zu werten sind, bleibt abzuwarten. Der Eingangs erwähnte „Gods of Egypt“ könnte aber ein Indiz dafür sein, dass auf Shitstorms aus dem Internet tatsächlich auch schwache Ticketverkäufe folgen: „Gods of Egypt“ ist sensationell gefloppt. Auch Ridley Scott verzettelte sich zuletzt mit ägyptischem Stoff: Sein „Exodus: Gods and Kings“ war eine finanzielle Enttäuschung. Vielleicht lag es ja auch daran, dass Moses und Ramses von Christian Bale und dem ebenso weißen, dafür aber befremdlich geschminkten Joel Edgerton gespielt wurden.

Paramount Paramount


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