Floraler Hingucker: So verschönert ein Künstler verwitterte Parkskulpturen

Steinstatuen und Büsten großer Persönlichkeiten zieren zwar Grünanlagen auf der ganzen Welt, doch die kulturelle Bedeutung erschließt sich oft nur, wenn man sich Zeit für sie nimmt. Ein Florist aus der belgischen Hauptstadt Brüssel hat es sich zur Aufgabe gemacht, „unsichtbar“ gewordene Statuen mithilfe von farbenfrohen Blumenarrangements in ein neues Licht zu rücken.

„Für viele sind es Zeugnisse der Vergangenheit, aber ich denke, sie sind es wert, gesehen zu werden. Sie sind Teil unseres kulturellen Erbes. Wir haben vergessen, dass Statuen ein Teil unserer Parks sind. Mit den farbigen Highlights werden Passanten wieder zum Hinsehen animiert“, erklärt der Künstler Geoffroy Mottart.

So entstehen die Blumenkunstwerke:

Zunächst legt Mottart eine Maschenform auf, die den Rundungen der jeweiligen Statue angepasst wird. Häufig sind Passanten irritiert, wenn sie ihm in den ersten Zügen seiner Arbeit zusehen. Darf der das überhaupt? Randaliert er vielleicht? Sobald allerdings die Blumen ins Spiel kommen, sind viele von seinem Engagement begeistert. Die Blumen, die der Künstler aus eigener Tasche zahlt, werden an den Draht geknüpft oder geklebt. Der Prozess kann gut und gerne zehn Stunden in Anspruch nehmen, doch die Arbeit lohnt sich: Er erweckt stark bemooste Figuren mit einem Hipster-Blumenbart oder Blumenkränzen zu neuem Leben.

Der belgische König Leopold II war sein erstes Projekt – ihm verpasste Mottart einen Bart aus rosafarbenen Rosen und kehrte seitdem mehrfach für einen neuen Look zurück.

Ein besonders schwieriges Projekt war eine Statue im Hof eines Hotels. Die Göttin des Flusses Bocq bekam von Geoffroy Mottart einen prächtige Mähne verpasst.

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Die Blumenkunst sorgte bereits für Schlagzeilen in seinem Heimatland Belgien, sodass nun auch die lokalen Behörden Interesse an seinem freiwilligen Projekt zeigen. Inzwischen hat Mottart die offizielle Erlaubnis, die Statuen mit seinen Blumen zu verschönern.

Stadt-Guerilla vs. Blumenpoesie

Mit seinem Talent hat sich der Florist inzwischen über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. In Russland werden seine als Verschönerungsmaßnahmen gedachten Arbeiten von den Medien als Stadt-Guerilla bezeichnet. In Italien hingegen nannte man seine Werke bereits „Blumenpoesie“. Letzteres schmeichelt dem Künstler natürlich, denn seine Blumenprojekte sollen niemandem auf die Nerven gehen. Wie könnten sie auch? Ein wenig Farbe im grauen Stadtalltag hat schließlich noch niemandem geschadet.


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