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Frank Spilker im Interview

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Blumfeld haben sich aufgelöst, Schorsch Kamerun fällt in letzter Zeit eher durch Theaterprojekte auf, Dirk von Lowtzow macht nebenher Hörbücher – es scheint, eine bestimmte Generation in der unabhängigen deutschen Popmusik befindet sich stark im Umbruch. Ist irgend- wann der Punkt erreicht, wo es etwas anderes geben muss als Rockmusik?Frank Spilker: Na ja, Blumfeld haben sich wegen kommerzieller Erfolglosigkeit aufgelöst, und die anderen machen meiner Meinung nach das, was sie ohnehin schon immer interessiert hat, oder es ist ein Talent einfach mal auf frucht- baren Boden gefallen, wie bei Schorsch. Grundsätzlich ist Unabhängigkeit schließlich ja etwas, das man sich erarbeiten muss, wenn man nicht gerade geerbt hat oder so.

Mit den Sternen habt ihr euch zuletzt mit Songs wie „Wir rühren uns nicht vom Fleck“ sehr explizit politisch zu Wort gemeldet, andererseits verdingt ihr euch in der Jägermeister Rock Liga – wie stark empfindest du das als Widerspruch?Frank Spilker: Widersprüche sind doch gerade geil. Wir haben ja auch „Fickt das System“ gesungen und kurz darauf am Sony Music Talent Award 1992 teilgenommen. Das ist das Lied vom „Universal Tellerwäscher“, die Medien sind auch nur eine Industrie. Darauf hinzuweisen finde ich interessanter als mit Bono, Geldof und Heiner Geißler gemeinsam am G8 zu menscheln, oder damit anzugeben, dass man sich vegetarisch ernährt oder CO2-neutral einkauft. Als ich „Wir rühren uns nicht vom Fleck“ geschrieben habe, war ich der Meinung, die Anti- globalisierungsbewegung bräuchte neue Parolen, jetzt ist alles so verharmlost, dass so eine Band wie die Sterne dort gar keinen Platz mehr hat.

Ich habe kürzlich auf einer Party in einer Berliner WG erlebt, dass ungefähr 50 Leute, die sich zum Teil kaum kannten, gemeinsam „Was hat dich bloß so ruiniert“ Wort für Wort mitgesungen haben. Das war so ungefähr das erste Mal, dass ich so etwas wie ein „Generationsgefühl“ empfunden habe. Es scheint, dass dieses Lied gerade heute für Leute, die jetzt auf die 30 zugehen, eine ganz neue Bedeutung bekommt…Frank Spilker: Eine neue Funktion: Katalysator des sich Wiedererkennens. Ein Freund von mir hat dasselbe gerade mit „Universal Tellerwäscher“ erlebt. Ich glaube, dass diese Art von Song damals – 1994 bzw. 1997 – wirklich neu war und dass so etwas eine Explosion auslösen kann, die Generationen definiert.



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