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Interview & Feature

Wir haben versucht, mit Franz Ferdinand über ihren Neuanfang zu sprechen: „Fick den Typen! Fick die Siebziger!“


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Ein Sound-Wizard also. Umso verblüffender sind die Regeln, die die Band für die Aufnahmen an der Platte aufstellte. „Die Devise lautete: Wir müssen uns beschränken. Man darf niemals mehr in einem Song hören, als die Band live in genau dieser Konstellation umsetzen könnte, sagt Alex Kapranos. Auf Platte klingt’s gut – im Interview nach einem etwas altertümlich müffelnden Dogma, das aber zu einer anderen Sache passt, die Kapranos dem Journalisten nicht ganz ernsthaft diktiert, als es um Probedisziplin geht: „Es gibt die James-Brown-Mentalität, was die eigene Arbeit angeht. Und es gibt die Libertines-Mentalität. Ich häng Ersterer nach.“ Dazu muss man wissen, dass James Brown als Bandleader nicht unbedingt beliebt war: Wer nicht präzise genug spielte, dem drohten Geldstrafen.

Regel Nummer zwei lautete: „Wir wollten nichts machen, was es so schon gibt. Sobald du das tust, hast du verloren!“ Für eine Rock-Band ist das ein ambitionierter Ansatz – und einer, dessen Logik fragwürdig ist. Bei allem Respekt: Befindet sich nicht jenes Genre, dem Franz Ferdinand anhängen, in einer Referenzschleife, die bis zum Blues der 30er-Jahre zurückreicht? Verwaltet es sich nicht andauernd selbst? Und ist das nicht der große Unterschied zu Dance oder Hip-Hop, wo aktuell die Impulse gesetzt werden? Kaparanos präzisiert: „Wenn wir Gitarre spielen, versuchen wir das auf eine neue Art und Weise zu tun. Wenn wir einen Synthie verwenden, auch.“ Jetzt zeigt er auf die vielen Gitarren, die an den Wänden hängen: „Diese Dinger haben für mich ein ähnliches Wirkprinzip wie ein Synthie. Es geht darum, was ich als Musiker mit ihnen anstelle. Beide Instrumente besitzen übrigens eine ähnlich lange Geschichte. Verdammt noch mal! Was ist bitteschön modern daran, einen Synthie zu verwenden?“

Ob er Nick McCarthy in der Band vermisst, möchte Alex Kapranos nicht sagen

Anschließend erzählt Kapranos eine Geschichte über den Verleger der Band. Der besuchte sie während der Albumaufnahmen in den Londoner „RAK Studios“. Das von Mickie Most 1976 gegründete Studio verströmt mit seinen Teppichverkleidungen an den Wänden und der verschwenderischen Teakholz-Ausstattung so viel Vintage-Charme, dass der Verleger sagte: „Ganz schön Seventies hier. Irgendwie … Disco!“ Die Band flippte nach seinem Abgang gepflegt aus: „Disco? Fick den Typen! Die Siebziger? Fick die Siebziger! Es klingt nach der Zukunft!“ Anschließend ging die Band noch einmal gewissenhaft durch sämtliche Aufnahmen und entfernte allzu augenfällige Referenzen.



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