Glassjaw: Konstruktive Trauer


Wasser. Überall Wasser. Es tropft von der Decke, es tritt literweise aus den Poren, es rinnt in breiten Bächen bis runter in die Kimme. Weit über 50 Grad hat es hier, in diesem völlig überfüllten New Yorker Club CBGBs, der schon so manches denkwürdige Konzert gesehen hat. Heute eines mehr: Glassjaw stellen „Worship & Tribute“ vor, und der Mob ist kurz vorm Kollaps. Aggression, Manie und massive Intensität verbinden sich zu einem Emobad von ungeahnter Energie. Eine Stunde konstruktiver Wahnsinn zwischen hemmungslosem Geschrei, beeindruckenden Melodiebögen und strukturiertem Geknüppel, dann ist der Spuk vorbei. Genauso verhält es sich mit dem Album, ihrem insgesamt zweiten und einem der besten seiner Gattung. Gefühlvoll Balladeskes trifft auf maximale Kompromisslosigkeit, die Gitarren sägen, das Schlagzeug kracht aus den Boxen, und obendrauf thront die außerordentlich variabel eingesetzte Stimme von Sänger Daryl Palimbo. Bleibt nur die Frage: Wo kommt sie her, die ganze Wut? „Naja, wir haben nicht ständig schlechte Laune“, grinst das smarte Cleverle Todd Weinstock, Gitarrist und so was wie das Sprachrohr der Band. „Nur immer dann, wenn wir neue Songs schreiben.“ Und warum genau dann? „Es ist einfach die beste Methode, sich den ganzen Hass, den Ärger und alles, was unverarbeitet auf deinem Gemüt tastet, von der Seele zu schreiben. Es ist ein bisschen wie Katharsis.“ Operation erfolgreich, Patient rockt.

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