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Grenzenlose Narrenfreiheit: Macklemore & Ryan Lewis beim Hurricane 2014

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Gestatten: Sir Raven Bowie, Sohn von Samuel L. Jackson und Lady Gaga und Brieffreund von Usher. Der Herr, der da beim Hurricane mit langer Zottelmähne und körperbetontem Outfit herumstelzt, fordert 50.000 Menschen zum Tanzen auf. „And We Danced“. Und wir tanzten – gar keine Frage.

Macklemore & Ryan Lewis bespielten den gestrigen Freitag beim Hurricane Festival so prätentiös, selbstironisch und arrogant wie sonst kein anderer Act des Tages und trotzdem (oder gerade deswegen) feierten die Besucher die Musiker aus Seattle. Denn was Macklemore und sein Produzent Ryan Lewis abliefern, lässt sich am ehesten als eine Mischung aus sensibler Weltreflektion und außerordentlicher Selbstüberschätzung beschreiben.

Wie Songs wie der Pro-Homo-Ehe-Song „Same Love“ und der „Rock out with your cock out“-Track „And We Danced“ zusammengehen, weiß der Rapper mit den irischen Wurzeln vielleicht selbst nicht so recht. Ebenso wenig, wie man ein 90-minütiges Set füllen soll, wenn man gerade erst ein Album und eine EP veröffentlicht hat, die in etwa sieben singenswerte Songs enthalten. Später kommen und früher aufhören ist da nur ein Mittel der Wahl, auch lange Reden, lustige Kostümwechsel und Einspieler helfen beim Überbrücken der vielen Zeit.

Während das zeitweise nerven kann, ist der letzte Punkt gar nicht mal so doof: Macklemore spielt einfach seinen größten Partyhit „Can’t Hold Us“ zwei Mal. Und seien wir doch mal ehrlich. Eigentlich haben wir eh nur auf diesen Moment gewartet, umso besser, wenn wir ihn gleich nochmal erleben dürfen.

Was hier wie Kritik klingt, ist eigentlich nur zartes Auf-die-Finger-klopfen, denn auch wenn Macklemore eigentlich alle Regeln einer guten Show bricht, so kann sich letzten Endes niemand beschweren, durch die Rollenspielchen nicht gut unterhalten worden zu sein. Und Macklemore hatte wohl den meisten Spaß mit ein bisschen Narrenfreiheit zu seinem 31. Geburtstag.


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