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🔥„Dark“: So endet die Serie nach Staffel 3 | Das ist das Schicksal ihrer Figuren

Kritik

„Haus des Geldes“ Staffel 4 auf Netflix: Wie ein ewig langer Showdown

Die vierte Staffel macht Spaß, weil sie sich wie ein ewig langer Showdown anfühlt. Verschnaufpausen gibt es hier nur, wenn über den Tod oder die Liebe philosophiert wird. „Was wiegt schwerer, die Liebe oder der Tod?“, meint auch Allzeit-Zyniker Berlin (Pedro Alonso) einmal in einem Rückblick. Man sieht ihn und seinen Bruder, den Professor, bei der Zeremonie seiner eigenen Hochzeit. Obwohl, hier gute Stimmung herrscht, wissen beide Männer, wie schnell sich Sympathien drehen, Freunde zu Feinden werden können. Für den Moment spielt das aber auch keine Rolle, denn gestorben wird erst morgen. Der Tod macht das Leben eben erst lebenswert und die Liebe vernebelt den Figuren obendrein auch noch den Verstand. Manch einer scheint in „Haus des Geldes“ tatsächlich von einer gewissen Todessehnsucht am Leben gehalten zu werden. Das ist irrwitzig. Und doch macht auch dieses Spiel, auf das sich alle einlassen, den Reiz von den neuen Folgen aus. Es ist ein Spiel, in dem auf jeglichen Anflug von Mitgefühl und Fairness, Lug und Trug folgen.

In den aktuellen Episoden werden sämtliche Unstimmigkeiten innerhalb des Teams größer. Das ist einerseits aufregend zu beobachten, andererseits krankt die Serie zum Teil an ihren pathetischen und manchmal zu eindimensionalen Charakteren. Denver (Jaime Lorente López) sagt noch immer äußerst flache Dinge, während Palermo droht, den eigenen Trupp in die Luft zu sprengen. Beide sind also leider weiterhin recht simpel gestrickt. Was das Ganze ein bisschen rettet? In dieser Season bleibt ihr Handeln nicht ohne Konsequenzen.

Abgerechnet wird mit Kreissägen und Jazz

Gesungen und getanzt wird diesmal in Maßen. Meist schafft es die Serie nur in den Rückblicken an längst vergangene, bessere Zeiten anzuknüpfen. In der Gegenwart haben Tod, Wut und Misstrauen das „Haus des Geldes“ längst zur Irrenanstalt transformiert. Zum Beispiel, wenn Palermo gefesselt an einen Computerstuhl erst ein Freiheitslied anstimmt und dann mit höhnischem Grinsen und kindlicher Stimme von der Jungfrau Maria spricht. Es gibt aber auch regelrecht entzückende Augenblicke in dem ganzen Wahn. Etwa, wenn das Kreischen eines Winkelschneiders mit dem Swingen eines Jazzsongs unterlegt wird. Oder wenn der mächtige Helsinki (Darko Peric) den durchgeknallten Palermo trotz eines Fernzünders in der Hand brüderlich umarmt. Letztlich ist es auch die Erzählerstimme von Tokio (Úrsula Corberó), die all der Hektik von Zeit zu Zeit ein bisschen das Tempo nimmt. Dadurch fühlt man sich wenigstens ein bisschen geborgen in dem Wirrwarr ohne Grenzen. Netflix gelingt so eine konsequente Fortsetzung. Vor allem aber, weil Part 4 auch der Teil der Abrechnungen ist.

Tamara Arranz Ramos


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