Hirnflimmern


von Josef Winkler The Lord Of The Bored in: Anstalten, in See zu stechen

Verzeihung, aber jetzt ist auch wieder gut. Wenn ich noch eine Jahresendgrußkarte kriege, in der jemand für die gute Zusammenarbeit „in diesen nicht immer leichten Zeiten“ dankt, dann schick ich dem Absender fünf Mark, damit er sich eine warme Suppe kaufen kann. Ja, es ist Krise, und „no offence“ an alle, die sie mehr trifft als andere (und auch danke für den Dank). Aber richtig afghanische Verhältnisse haben wir doch noch nicht. Und zumindest in München, das sind so persönliche Erfahrungswerte, die ich gern weitergebe, ist es eh besser, man hat nicht so viel Geld, sonst ist man’s doch nur sofort los.

Da fällt mir ein, dass ich vor längerem ein Interview mit Stefan Raab las, der sagte, er könne gut von 3000 Mark im Monat leben und wolle nach seiner TV-Karriere eine Weltumseglung machen. Ja, Mark. So alt ist das Interview, und er macht immer noch keine Anstalten, in See zu stechen. Dabei könnte er ja noch ein paar Leute auf die Reise einladen. Definitiv auf einer Weltumsegelung, wenn nicht einer Marsmission, sähe ich etwa Johannes B. Kerner; der könnte sich ja eine aufblasbare Stoiber-Puppe (oder den echten! Nee, das kriegen wir nicht durch) einpacken und sie einfühlsam interviewen, wenn ihm fad wird. Und natürlich alle, die an dem Tote-Hosen-Video „Frauen“ beteiligt waren. Und Paul McCartney muss rein.

Da wiederum fällt mir was Komisches ein, das mir letztens passierte: Jemand hatte mir Schierling ins Ohr gegossen, und ich kam in den Rock-Himmel. Und auf dem Hendrix-Konzert stand tatsächlich Paul McCartney rum. Ich traute mich, ihn anzusprechen, ob was passiert sei, weil er ja noch gelebt hatte, als ich eingeschlafen war. Er winkte ab, ja ja, das sei der Andere Paul da unten. Der Andere Paul sei seit 26 Jahren als McCartney unterwegs, während er selbst Ende 1968 bei einem Trinkunfall ums Leben gekommen sei. Der Andere Paul, ein Friseur aus Nottingham, habe sich da dann irgendwie reingemogelt und mit Pauls halbfertigen Songs erstmal „Abbey Road“ gemacht, mit den Beatles, die nichts merkten – offenbar. Genau weiß Paul aber auch nicht, was da lief. Schon schräg. Wäre natürlich super, sagte ich zu ihm, wenn er da jetzt ein paar Einzelheiten hätte, wenn mir für meine Kolumne mal nichts einfällt. Er meinte „nee“, aber das Great Medley habe der Kerl gar nicht so schlecht hingekriegt. Nur Wings und das Solo-Zeug… Aber „Mull Of Kintyre“ finde er nicht schlecht. Ich war überrascht und gab verschämt zu, dass ich das auch ganz okay ….. Reingefallen! , rief er und verlachte mich. Ich ging.

– Was ist dem Lieblings-Motörhead-Song?

= Kelly Osbourne „Ace Of Spades“, das ist der einzige Titel von denen, den ich kenne, denn ich bin ein Arsch und hör‘ mir deren Zeug nicht an.“