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Highlight: Sigrid, Superorganism und Co.: Was wurde aus den Acts unserer Hotlist 2018?

Hotlist 2018: Superorganism ist die Band der Stunde

Dieser Moment der Professionalisierung ist bei jeder Band interessant. Bei Superorganism sind aber die Parameter bemerkenswerter, weil es sich um einen völlig neuen Typus der Popband handelt. Achtung, es wird jetzt etwas kompliziert: Superorganism sind so besonders, weil sie ihre Energie aus dem Ende des klassischen Band-Dings ziehen. Sie sind ein Haufen von online sozialisierten Bedroom-Producern, von Kids und Nicht-mehr-ganz-Kids, die Altersspanne reicht von 17 bis 32. Sie haben aber festgestellt, dass auch Schlafzimmerpop besser wird, wenn er im Kollektiv entsteht.

„Die Summe ist manchmal eben mehr als die einzelnen Teile“, sagt Harry und erzählt von seinen Lieblingstagen im Superorganism-Headquarter. „Dann sitzt in jedem Raum jemand und arbeitet. Onoro sitzt in ihrem Zimmer und schreibt einen Text. Tucan mixt vielleicht gerade einen Song, Robert überlegt sich neue Visuals. Die Ergebnisse werden dann von einer Station zur nächsten gemailt.“ All das passiert übrigens in ziemlicher Ruhe, die Idee der Bandprobe in einem klassischen Sinne, oder sogar die des Jams als Inspirationsquelle gibt es bei Superorganism nicht mehr. Digital ist eben manchmal doch besser.

Wichtig bei dieser Arbeitsweise sind zwei Dinge.

Zunächst einmal: Das Internet tanzt mit. Es ist Hauptbestandteil der Kunst. Vielleicht kann man sogar sagen, dass es neben London die zweite Heimat von Superorganism ist. Dass dieser Aspekt der Kunst der Band schwer nach den 90er-Jahren aussieht, hat einen einfachen Grund: „Die Online-Optik der 90er ist einfach am interessantesten. Damals herrschte im Netz noch so eine Art Anarchie. Heute hat doch alles diesen Cooperate-Look.“ Damit kann man durchaus spielen. Das Zweite: Die mehrzellige Arbeitsweise von Superorganism ist bei den Großen abgeschaut: „Wir lesen sehr viel Theoretisches über Pop. Wir wollen wissen, wie er funktioniert. Wenn du die Credits zu einem Rihanna-Song durchliest, stößt du auf 17 Namen. Es wird so lange an ihm gearbeitet, bis er perfekt ist. Wir versuchen, dieses Prinzip auch auf unsere Musik anzuwenden. Wir mögen das.“ Wir auch.

Drei Dinge, die Superorganism zur Supergegenwartsband machen:

  1.  Diese Band macht Schluss mit der Einsamkeit der Bedroom-Producer: Zusammen ist man eben doch weniger alleine.
  2.  Sie zeigen, dass die Zeit geografisch grundierter Szenen vorbei ist und denken Pop global.
  3.  Pop ist hier nicht nur musikalisches, sondern auch kulturelles Wirkprinzip. Artwork, Videos, Games – all das ist genauso wichtig wie die Songs.

Superorganism empfehlen: Brockhampton



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