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Ja zu ISIS, nein zu Trump – so wird die vierte Staffel „House of Cards“

Vielleicht haben „House of Cards“-Showrunner Beau Willimon und die Produzenten Donald Trump unterschätzt. Seinen Einfluss im aktuellen US-Wahlkampf, die Masse an Schlagzeilen, Memes und Kontroversen, die er generieren würde. Einige Kritiker und Zuschauer der vierten Staffel (seit 4. März auf Sky), die in „House of Cards“ den maximalen Realitätsbezug suchen, machen den Serienschöpfern diesen Vorwurf jedenfalls. Vielleicht hatte Willimons Team aber auch schlichtweg keine Lust darauf, dass Kevin Spaceys fiktiver Präsident Francis „Frank“ Underwood mit einem polternden, clownesken Gegenspieler konfrontiert wird. Weil so ein Trump beziehungsweise eine Kopie von ihm eigentlich nicht auf die Bühne großer Politik gehört. Eigentlich.

Während Donald Trump diese These in Wirklichkeit gerade in Stücke reißt und beweist, dass es zumindest in der US-Politik doch Platz für Entertainer mit radikalem Gedankengut gibt, verzichtet „House of Cards“ auch in der neuen Staffel lieber auf die ganz schrillen Töne. Gut so, eignet sich die Saga um Frank Underwood, den niederträchtigsten Posterboy der jüngeren Seriengeschichte, dadurch wieder deutlich besser zur Realitätsflucht als die zwölf Episoden davor.

Ja zum ISIS, nein zu Trump

Die 13 neuen Folgen des Polit-Dramas, in denen ebenfalls der Wahlkampf Motor jeder Entscheidung ist, wirken an vielen Stellen erschreckend seriös im Vergleich zum realen, sich mittlerweile fast ausschließlich um Trump kreisende Rennen um das Weiße Haus. Weil in „House of Cards“ zwar echte Themen, zum Beispiel die NSA-Affäre und ISIS aufgegriffen werden, das Personal des „House of Cards“-Wahlkampfes aber anderen Vorbildern und Klischees folgt. Und dabei staatsmännischer und anziehender wirkt als etliche Teilnehmer der wahren US-Debatten.

In der vergangenen Staffel war das noch etwas anders, da war „House of Cards“ vielleicht sogar zu nah dran an der realen Dramaturgie im Weißen Haus. Underwood war im Oval Office angekommen, es folgte Ernüchterung für Protagonisten und Zuschauer. Die ganz großen Intrigen, die ihn in das Amt des Präsidenten hievten, waren vorerst ausgespielt, frustrierende Realpolitik bestimmte zunehmend das Tagesgeschäft – so ähnlich muss es auch Obama gegangen sein, als der erste, zweite und dritte Hype um seine Person abgeklungen waren. Als ihm ferne Regierungschefs, die chinesischen Wirtschaftszahlen oder der Ölpreis die Grenzen der Macht aufzeigten.

Am Ende des zunehmend frustrierenden Präsidentenalltags und damit am Ende der 3. Staffel „House Of Cards“ stand der Graben, der sich zwischen Underwood und seiner First Lady Claire (Robin Wright) aufgetan hat. In der letzten Szene verließ sie das Weiße Haus.

In der 4. Staffel „House Of Cards“ gilt: Konfrontation von Folge 1 an

Genau dort, bei der Trennung der Underwoods, setzt die vierte Staffel an. Während Frank um die Nominierung der Demokraten für die kommende Präsidentschaftswahl kämpft, versucht sich Claire einen Sitz im Kongress zu sichern. Dabei wird zu Beginn nicht nur Claires schwer erkrankte Mutter, sondern auch eine geplante Krebs-Klinik zum Spielball der verstrittenen Underwood-Egos.

Der Konflikt zwischen Präsident und First Lady wurde in der dritten Staffel teils quälend lang heraufbeschworen. Jetzt macht er sich ab Folge Eins bezahlt. Frank düpiert seine Frau vor laufenden Kameras, sie kramt dafür medienwirksam die KKK-Vergangenheit seines Vaters aus. Derweil treten auf Nebenschauplätzen Figuren in Erscheinung, die eigentlich schon am Rande der Vergessenheit standen.

Bereits die erste Szene der aktuellen Staffel gehört einem, der eigentlich jeglichen Einfluss verloren hat: Lucas Goodwin (Sebastian Arcelus), dem Journalisten, der den Tod seiner Kollegin aufdecken wollte, dem Präsidenten gefährlich wurde und nun einem Mithäftling im Hochsicherheitsgefängnis erotische Fantasien diktiert, damit dieser anständig onanieren kann.

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Anklage gegen Kevin Spacey wird nach Tod des Anklägers fallen gelassen
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