Interview

Im Gespräch mit Fynn Kliemann: „Ich will auf diese Reise so viele Leute mitnehmen wie möglich“

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Es kommt immer aufs Thema an. Ich unterhalte mich gerne mit Menschen, bin dann aber eher an deren Leben interessiert. Manchmal habe ich außerdem das Gefühl, ich müsste hier und da ein bisschen missionieren und zeigen, dass man kein Arschloch sein und andere Leute abziehen muss, um erfolgreich zu sein. Aber natürlich macht es keinen Bock, mit jemandem zu reden, der nur Fragen stellt, die der Interviewer sich eigentlich selber beantworten könnte. So läuft es leider oft. Einen Robbie Williams würde niemand fragen: „Erklär mal, wer du bist“. Ich werde das aber ständig gefragt, weil ich natürlich ein unbekannter kleiner Furz bin.

Als wir uns vor ein paar Wochen schon einmal unterhalten haben, über das Corona-Virus und deine Masken-Produktion, hattest du angedeutet, dass auch die Produktion deiner Platte – insbesondere deren Vinyl-Pressung – durch die Pandemie ziemlich chaotisch verlaufen ist…

Wir hatten zum Glück schon sehr früh hohe Kontingente abgefragt. Aber es ist zwischendrin noch richtig viel passiert, was keiner mitgekriegt hat. In Amerika ist die Firma von Apollo Masters abgebrannt. Das war eine von nur zwei Firmen weltweit, die den Lack für einen Vinyl-Master-Rohling herstellt…

…ohne den man keine Platten pressen kann.

Was bei mir natürlich sofort dazu führt, dass ich mich frage: Warum gibt es nur zwei von diesen Buden? Warum machen wir das nicht? Dann habe ich mich zwei Wochen damit beschäftigt, wie man Vinyl-Masters herstellt und ein aufwendiges Verfahren mit meinem Maschinenbau-Kumpel analysiert – wie man die Dinger bedampft und beschichtet – und mich dann auf die Suche nach Investoren gemacht, Patente gelesen und am Schluss gemerkt: Fuck, das ist richtig schwer, das machen wir lieber nicht. (lacht) Das sind die Dinge, die einen während des Albumprozesses so aufhalten.

Wie habt ihr das Problem gelöst?

Durch die zweite verbliebene Firma in Japan war die Produktion am Ende gar nicht gefährdet. Bis auf ein paar Wochen Verzug klappt jetzt alles. Bloß die Fanbox wird schwierig, da ja die Grenzen zu sind, auch für die Lieferung von Merchandise.



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