im Plattentest : Walter Quintus


Während einer ausgedehnten Sende-Toumee der Gruppe landen sie sich auch bei uns in der Redaktion ein. Walter Qulntus erklärte sich dann sofort bereit, in den Plattentest zu gehen. Er beurteilte die Stücke in erster Linie nach der musikalischen Qualität

DRAGON SONG – John Mc Laughlin

Nein, also ich weiss nicht wer das sein könnte. Es ist an sich vom Aufbau und der Musik her ein recht einfaches Stück. Allerdings verbunden mit ein paar technischen Spielereien. Ich meine dass hier eine ganze Anzahl Klischees verbraten werden. Das Stück sagt mir nicht all zuviel. Ich kann nicht sagen, ob es eine englische oder amerikanische Gruppe ist. -John Mc Laughlin hätte ich nicht erwartet. Das muss eine ältere Aufnahme von ihm sein, wahrscheinlich ein Playback. Ich finde den Sound, also die Aufnahmetechnik überhaupt nicht gut. In diesem Stück ist einfach nichts drin, es geht hier nichts los!

SONG WITH NO WORDS – David Crosby

Das ist eine sehr interessante Produktion. Dieser Titel strahlt eine grosse Ruhe aus, die mich sofort gefangennimmt. Im Playback erinnert es mich ein wenig an die Andy Marx-LP. Der Gesang ist intonationsmässig fantastisch und könnte von Crosby, Stills und Nash sein. – Es ist ein Teil davon. – Ah ja, es sind recht ungewöhnliche Gesangspassagen, das gefiel mir sehr gut. Kurz vor dem Schluss war eine kleine Steigerung drin, die man vielleicht noch hätte ausbauen können, mit Streichern oder so … Im Prinzip ist es ein sehr abgerundeter Titel und es ist 100%ig gelungen. Sind Stills, Nash und Young nicht dabei? Ah doch, nur Stills fehlt. Das ist wirklich sehr schwer zu singen. Es kommt meiner Richtung aber sehr nahe.

STARGAZERS – Khan

Am Anfang klang es wie eine deutsche Produktion, weisst du wie durch einen Filter, so aus der Ferne. Auch Klischees sind wieder dabei, doch es ist vom rythmischen Aufbau her sehr interessant, die Triolen zum Beispiel. Es erinnert mich zuweilen an Gnidrolog die sich rythmisch aber noch viel wirrer anhören. Hier ist alles noch relativ durchsichtig. Ich finde ganz gut, dass hier so locker gespielt wird. – Khan heisst die Gruppe, kenn ich nicht. Ist das die Hülle. Das gibts ja nicht, mit diesem Toningenieur haben wir 1970 Probeaufnahmen in England gemacht. Er scheint nicht viel dazugelernt zu haben. Die Gitarre und Teile vom Gesang erinnerten mich auch an Nektar.

MOMOTOMBO – Malo

Anfangs dachte ich kurz an eine Neufassung von ‚Sympathie for the Devil‘ wegen der Percussionarbeit. Auch hier wieder etliche Klischees, wobei ich sagen möchte, dass es gute und schlechte Klischees gibt. Hier handelt es sich um gute, die bewusst eingesetzt wurden und dadurch trotz allem sehr gut, besonders im harmonischen Ablauf, wirken. Besonders dufte finde ich die Bläsersätze, die sich gegen Schluss auflösen. Der Bassist ist hervorragend. Santana ist es nicht, da hier die Gitarre nicht im Vordergrund steht. – Klingt es nicht ein wenig mexikanisch? -Ja, das südamerikanische kommt hier gut raus, so in der Art vom Karneval in Rio. Ah, das ist also die Gruppe von Santanas Bruder, nicht schlecht. Diese Harmonik wird bei diesen Sachen meist nicht verwendet, aber hier ist es sehr gut gelungen.

DAS SCHWEIN TROGT – Brainstorm

Ist das eine deutsche Gruppe? Im Ansatz einnert es mich an Chris Mc Gregors Brotherhood of Breath oder an Doldingers Passport. Besonders das Sopransaxophon hört sich nach Doldinger an. Es sollte mich wundern wenn er es nicht ist. Es gibt in dieser Richtung besonders in den USA sehr gute Gruppen. – Aha, also doch eine deutsche Gruppe, aber Brainstorm kenne ich nicht. Die Platte ist gut, aber man hört doch die deutsche Kopie heraus. Es ist keine eigene Musik obwohl es Eigenkompositionen sind. Es ist ein wenig von Mc Gregor dabei und wie gesagt viel Passport.

THE DOCTOR – West, Bruce & Laing

Gut ist der Sound und die Perfektion. Damit hat sich’s! Es ist von vorne bis hinten ein Klischee, aber ein schlechtes. Alles ist ungeheuer gedankenlos eingesetzt, darüber kann auch nicht die Perfektion hinwegtäuschen. Den Bassisten fand ich besonders gut, er brachte ein paar irre Läufe. – Ah, Jack Bruce ist es. Ich habe mir aber wesentlich mehr von seiner neuen Gruppe versprochen. Es flacht alles sehr stark ab. Seine erste Solo-LP finde ich fantastisch, besonders die Texte. Sie sind sogar für Engländer kaum zu verstehen. Ich finde sehr schade, dass diese Besetzung musikalisch so wenig bringt. Nachdem Bruce bei Lifetime war und eine sehr gute eigene Gruppe hatte, nun so etwas. Sehr schade!

LOW YO YO STUFF – Cpt. Beefheart

Das reisst mich auch nicht vom Stuhl. Ich kenne das irgendwoher! Aber gut finde ich es wirklich nicht. Der Typ hat einen starken Slang, aber die Stimme ist sehr interessant. Das Stück vielleicht auch aber mehr nicht. Es ist nichts besonders gutes oder neues darin, es ist einfach das Übliche. – Was, Cpt. Beefhaert ist das! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Ich finde ihn sonst sehr gut, aber hier ist er doch sehr kommerziell, wenn man auf seine alten Stücke zurückschaut. Er ist sonst ein Wahnsinnsmusiker, aber das Stück gefiel mir wirklich nicht.

PRIESTESS – Audience

Sehr einfallsreich! Dieser Flötenmittelteil gefiel mir ausgezeichnet, er hat mich fast den Anfang vergessen lassen. Der Flötist erinnert mich an den Typ von Burdons ‚War‘, aber das ist natürlich nicht Burdon. Ich weiss nicht, wer es sein könnte. Auch die Übergänge und Tempowechsel sind glänzend gemacht und die Hall- und Echoeffekte im Mittelteil sind sehr, sehr schön eingesetzt. Wie heisst denn die Gruppe? – Audience, da habe ich schon von gehört. Das ist doch Charisma oder nicht? Die Platte ist wirklich gut produziert. Es ist sehr schwer den Flötenteil gut hinzukriegen. Ein bisschen zuviel oder zuwenig und schon ist die ganze Sache kaputt.

FOR CALVIN … – Frank Zappa

Ha, Ha, Ha, da sind teilweise sehr ulkige Stellen drin. Es erinnet mich sehr an die Keith Tippet Group und an Centipede. Besonders im ersten Drittel, aber auch im restlichen Stück klingt es wie eine Mini-Centipede. Es könnte aber auch Frank Zappa sein. – Ja Richtig? Es sind wirklich sehr gute Musiker, die er hier zusammengeholt hat. Kannst du nochmal den Anfang spielen? Okay – danke. Ich dachte mir doch sowas. Hast du bemerkt was für ein Takt am Anfang gespielt wird -das ist ein Walzertakt! HaHaHa. Das zeugt wieder einmal davon, dass Zappa sehr erfindungsreich ist. So etwas kann nur er bringen, das ist wirklich unglaublich!