Interview

ESC-Vorentscheid „Unser Song für Lissabon“: „Die Musik steht leider nicht im Vordergrund“

Und zum Glück gibt es ja noch Social Media.

Ja. Viele Künstler denken nur, sie müssen auf allen Plattformen gleichzeitig sein und melden sich dann bei Twitter, Snapchat, Facebook und Instagram an. Und schaffen es natürlich nicht, alle Profile regelmäßig zu füllen. Sie wollen ja nicht zusätzlich einen Kommunikations-Fulltimejob machen. Also frage ich: Was feierst du persönlich? Machst du gerne Fotos, super, bleib auf Instagram und mach das ordentlich. Viele sind dann erleichtert und sagen: „Ich dachte schon, ich muss überall stattfinden.“ Künstler sollten wissen, dass es ok ist, nicht alles sein zu können. Auch was die Musik angeht. Sei mit manchem total präsent, vieles kann dir auch völlig egal sein. Nur so stellst du dich auch etwas spitzer auf.

Sind starke Künstleridentitäten unter Newcomern schwer zu finden?

Es ist schwierig, ja. Vielleicht ist es ein Generationen-Ding, vielleicht hat es aber auch einen wirtschaftlichen Grund: Man möchte so viel mitnehmen, wie geht – auch um von der eigenen Musik leben zu können. Genau das führt in die falsche Richtung. Es ist besser in die Nische zu gehen und dort Spitzenreiter zu werden, als alles zu machen – das aber nur ein bisschen.

 



Deutscher ESC-Beitrag 2020 wurde von zwei Jurys ausgewählt
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