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Highlight: Das sind die besten Netflix-Serien

Meinung

„Iron Fist“: Wer diese Netflix-Serie erträgt, ist ein Superheld

Alles Unsinn natürlich. Finn Jones hat selbst einen weißen Milliardär, der in einem Tower in New York wohnt, zum Gegner. Die Serie würde also am liebsten selbst auf den Anti-Trump-Zug aufspringen. Allerdings gelingt dies nicht so richtig, genauso wie alles andere in den 13 Episoden. Langweilige Action, Figuren ohne jegliche Entwicklungen und ohne Charisma. Und obendrein Schauspieler, die ohne erkennbares komödiantisches Talent Szenen mit Wortwitz auflockern sollen. Und die sich Kampfchoreografien so offensichtlich nur für den Dreh antrainiert haben, dass es sich anfühlt als würde man den Proben zu einer weitaus besseren Serie beiwohnen.

Ninjas verkaufen Heroin

Dazu der Plot: Verschollener Junge kehrt als Held zurück, das Unternehmen seines Vaters haben sich derweil falsche Freunde unter den Nagel gerissen. Und dann sind da ja noch Ninjas, die Superheroin in New York verkaufen – kein Witz, das passiert hier wirklich. Der Plot würde nicht einmal einen normalen Spielfilm füllen, Sets und Action erinnern teilweise (vor allem in Episode 6) unangenehm an die „Mortal Kombat“-Filme aus den 90ern.

Binge-Watcher mit Vorliebe für Superhelden werden die Serie wahrscheinlich dennoch sofort verschlingen. Und wer das schafft, ohne seinen Finger permanent auf der Skip-Taste zu haben und ganze Szenen entnervt zu überspringen, der hat wahrscheinlich die Superheldenfähigkeit der unendlichen Geduld.

Gefährliche Lustlosigkeit auf Netflix

„Iron Fist“ ist als Serie unerträglich, aber damit wäre sie ja nicht die erste seit dem großen Show-Hype der vergangenen Jahre. Das Problem mit der neuen Netflix-Produktion geht etwas tiefer. Denn immerhin hatte der Streaming-Riese seinen Finger bereits auf drei anderen Serien der Marvel-Reihe. Und diese waren allesamt keine Totalausfälle. Im Gegenteil: „Jessica Jones“ wurde dafür gefeiert, dass endlich mal eine weibliche Heldin der Star war. „Daredevil“ hat einfach guten Stil und kopiert gekonnt Action aus noch besseren Filmen.


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Mit „Iron Fist“ zieht nun eine gefährliche Lustlosigkeit ins Netflix-Programm ein. Zuletzt wurde mehrfach überhastet einfach irgendwas auf den Markt geworfen, „Santa Clarita Diet“ ist da ein gutes Negativbeispiel. Vielleicht, weil der Streaming-Riese weiß, dass Millionen Marvel-Fans, die in Geschmack und Geduld durch gefühlte Alternativlosigkeit im Blockbuster-Kino geformt wurden, Serien-Schund wie „Iron Fist“ ungeachtet von Kritiken und schlechten ersten Eindrücken schauen werden.



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