‚Ist David Bowie ein irrer Typ?‘ – fragte Musikexpress 1973

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David Bowie war in den Siebzigern einer der liebsten Interviewpartner des Musikexpress. Hier lest ihr ein Porträt von 1973. Bowie hatte damals gerade „Aladdin Sane“ veröffentlicht, das Nachfolgealbum zu seinem Megaseller „The Rise and Fall Of Ziggy Stardust and the Spoders from Mars“.

Ist David Bowie „Ziggy Stardust“? „Aladdin Sane“ ist der Titel der langerwarteten neuen Bowie-LP und bedeutet sehr zweideutig etwas soviel wie „ein irrer Typ“. Die Plattenkritiker übertreffen sich mal wieder selbst, denn dieses neue Album schneidet in den englischen und amerikanischen Musikzeitungen so gut ab, wie noch nicht einmal das „Ziggy Stardust-Ding“ im letzten Jahr.

BÜHNEN-SHOW

Eine der interessantesten Erscheinungen in der Entwicklung der Popmusik der letzten Jahre ist wohl, dass nicht mehr nur allein die Qualität der Songs wichtig war, sondern dass diese eingepackt sein mussten in eine aussergewöhnliche Bühnen-Show. Mittlerweile hat man sich an die makabre Alice Cooper-Show gewöhnt und auch die ‚Sweet‘ scheinen sich mit ihrem ‚Make-Up‘ wohl zu fühlen. Den grössten und vermutlich auch überzeugendsten Schritt in diese Richtung hat jedoch kein anderer als David Bowie unternommen – zu diesem Schluss kommt man, wenn man sich seinen Wahnsinnerfolg in Amerika vor Augen hält. Warum sollte Bowie bei uns nicht so einschlagen wie vor einem guten halben Jahr Alice Cooper…

PANTOMIME

1947 wurde er als David Jones in Brixton (England) geboren. David besuchte die Realschule und arbeitete danach in einer Werbeagentur. Um ein wenig Abwechselung in sein Leben zu bekommen, fing er an, abends in Clubs Saxophon zu spielen. Sehr schnell lernte er auch die ersten Akkorde auf der Gitarre. Er entschloss sich daraufhin, Profi-Musiker zu werden und das mit seinen 19 Lenzen. Immer nur die Lieder anderer nachzusingen wurde ihm bald zu bunt, deshalb setzte er sich hin, um seine eigenen Songs zu schreiben. In dieser Zeit machte David Bekanntschaft mit einer Pantomimen-Clique und bekam in deren Gesellschaft die Ideen zu seiner heutigen Bühnen-Show. Zwei Jahre lang trat er mit diesem Team auf verschiedenen Avantgarde-Bühnen in und um London auf, bevor er sein eigenes Trio unter dem Namen ‚The Feathers‘ formierte. Diese Gruppe beschäftigte sich nicht nur mit Mimik, sondern ebenfalls mit Tanz, Poesie und Gesang. 1969 erschien die LP ‚Space Oddity‘.



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