Jane´s Addiction – Berlin,


Alt, ohne "the" vorm Namen, aber den üblen Rentenrockergeruch noch grad mal eben abgeschüttelt.

Man kann ja von der Berliner Columbiahalle halten, was man will – nämlich nichts. Aber es kommt, wie wir an diesem Abend gelernt haben, ganz darauf an, wer das seelenlose Rund füllt, womöglich gar mit Seele füllt. Wenn’s die Seele des Alternative Rock ist – umso besser. Als wäre sie nie weg gewesen, als hätten nicht erst zehn Jahre ins Land gehen müssen, spielte die Spartenlegende auf: wie der neueste heiße Scheiß mit“.The“ vor dem Namen. Bei allem Gasgeben ist es nämlich vor allem eine solide Bodenständigkeit, die den Reiz der Stücke ausmacht. Zumindest die Exzesse mit den weißen Drogen haben die R.O.C.K.E.R. den Jungspunden voraus, nachzulesen im zerfurchten Rabengesicht von Perry Farrell. Umso herzlicher und zugänglicher wendet sich der Sänger dem Publikum zu, sucht Kontakt zur ersten Reihe, klatscht Hände ab und verliert sich manchmal in allzu ausufernden Erklärungen über den nächsten Song und die Welt. Erklärungen, die im Laufe des Abends im selben Maße wirrer werden wie die Show an Fahrt gewinnt. Wobei Dave Navarro an seiner Gitarre die Jovialität Farrells mit betonter Coolness kontert. Drummer Stephen Perkins fuhr- und uhrwerkt unverdrossen vor sich hin, begleitet vom sympathisch uneitlen Neu-Bassisten Chris Chaney. Dass nicht nur ihre beste, sondern ihre Zeit überhaupt längst vorüber sein sollte, war den neuen Songs jedenfalls nicht anzuhören. Dass indes Altbekanntes wie „Ocean Size“ oder „Been Caught Stealing“

vom Publikum frenetischer aufgenommen wird als Neues – eh klar. Alles in allem eine Leistung, die ausreicht, den üblen Geruch des Rentenrock abzuschütteln, den eine angegraute Band in diesen schnelllebigen Zeiten leicht verströmt. Spätestens der so simple wie effektive Aussteiger „Jane Says“ ver-

söhnt – wenn’s nicht dabei bleibt und Farrell sein Versprechen wahr macht, ganz bestimmt bald wiederzukommen. Wirklich bald hoffentlich, und nicht erst in zehn Jahren. >>>

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