Jochen fand’s geil heute Abend: So war’s bei Blumfeld in Köln

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Je länger der Abend, desto mehr Lieder von ICH-MASCHINE, sogar zwei von OLD NOBODY, darunter „Kommst du mit in den Alltag“, einer der schönsten Blumfeld-Momente. Distelmeyer hat an diesen Songs etwas mehr herumgefummelt: Bei „Zeittotschläger“ klingt er wie Morrissey, „Aus Kriegstagebüchern“ steckt noch tiefer im Blues. Nun redet der Chef auch mehr, Distelmeyer ist in Sektlaune, die Kommentare sind Quatsch, sogar in Kölsch, selbst Millowitsch wird zitiert. Das muss alles nicht sein, aber wenn es ihm Freude macht: Warum nicht?

Am Ende wirkt Jochen Distelmeyer ziemlich erleichtert, das Grinsen wird immer breiter, das Hemd verliert im Brustbereich jede Haltung. Und dann raucht er auch noch! „Verstärker“ ist das naturgegebene Finale, das beste deutsche Indierock-Stück aller Zeiten, denn warum hätten es Pavement sonst gecovert? Die alten Blumfeld spielen es wieder originaler als die letzte Version die Band, die Distelmeyer 2007 aufgelöst hatte. Die Idee, „Electric Guitars“ von Prefab Sprout und Cole Porters „Everytime We Say Goodbye“ einzuweben, hat er aber nicht verworfen.

Mit dem Schlussakkord feiern die Leute Blumfeld, Blumfeld die Leute – und ganz bewusst auch sich selbst. „Also, ich fand’s geil heute Abend“, sagt Distelmeyer kurz vor Schluss, als die mürrischen Menschen draußen stehen und sich bei einem Kölsch für fünf Euro über die miese Bezahlung ihres Agenturjobs beklagen: „Falsche Richtung! Dummheit lass mich los!“

Blumfeld live in Köln am 27. August 2014 – die Setlist



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