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Gespräch

Klan im Interview: „Ein Bildschirm kann Nähe nicht ersetzen“

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In letzter Zeit wird – zumindest unter Kulturschaffenden – darüber gesprochen, was die Corona-Krise mit Musiker*innen macht. Wie arrangiert ihr denn euren Alltag zurzeit, was beschäftigt euch?

Michael: Ich habe zum Glück eine WG, in der ich mich sehr wohlfühle. Mit meinen Freunden treffe ich mich auf Skype, mit Stefan arbeite ich viel an neuer Musik – das heißt, ich bin schonmal nicht einsam. Wir haben gleich zu Beginn der Krise alle unsere Instrumente in Stefans Wohnung geschleppt und sein Zimmer zu einem halben Studio umgebaut.

Stefan: Was das Finanzielle angeht, haben wir einen sehr guten Kreis an Kolleg*innen, der zusammenhält. Unsere Freundin Mine schickt zum Beispiel immer viele Infos herum, wo man Soforthilfe beantragen kann und wie das mit dem Papierkram funktioniert. Das ist auch die Quelle, aus der wir uns momentan finanzieren, denn uns sind natürlich auch unsere Frühjahrstour und die Festivalauftritte weggebrochen. Immerhin ist das ein Anreiz, mehr Musik online herauszubringen.


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Wie euren Song „Rot Blau Grün“, auf dem ihr auch über das Isolationsgefühl singt – und über das Vermissen. Wen vermisst ihr momentan?

Michael: Das ist wohl unsere Mutter, glaube ich.

Stefan: Und unseren Freundeskreis! Ich wäre dieses Wochenende eigentlich mit zehn Leuten im Wander-Urlaub gewesen (lacht). Jetzt treffen wir uns zumindest über Zoom, auch wenn das immer ein bisschen unbefriedigend bleibt. Das ist ja auch Inhalt des Songs: Die Nähe zum Bildschirm kann tatsächliche Nähe nicht ersetzen. Am Ende saßen wir zwar alle mit ´nem Bier da und haben gelacht, aber sobald der Bildschirm aus ist, ist man wieder allein.

Im Musikvideo habt ihr das mit einer großen, durchsichtigen Kugel visualisiert, mit der ihr euch durch die leere Stadt bewegt…

Michael: Die haben wir von so einem Event-Verleih, normalerweise kann man damit in Schwimmbädern übers Wasser laufen!

Stefan: Eben hat mir noch jemand auf Instagram geschrieben und auch danach gefragt. Die Nachfrage steigt also momentan nach diesen Bällen (lacht).



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