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Kollegah gewinnt die erste Sendung „Schulz & Böhmermann“

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Kein misslungener Einstand: Am Sonntag feierte die neue Sendung „Schulz & Böhmermann“ auf ZDFneo sowie in der sendereigenen Mediathek ihre Premiere. Nach eher trägen und chaotischen 15 Minuten nahm die Sendung, die in Format und Studiokulisse als Neuauflage der einst eingestellten Show „Roche und Böhmermann“ zu verstehen ist, an Fahrt auf. Grund dafür waren weder die Moderationsführung von Jan Böhmermann und Olli Schulz, sondern das bloße Dasein eines Gasts, den man als Zuschauer neben Jörg Kachelmann, Kollegah und Drehbuchautorin Anika Decker so gar nicht auf dem Schirm hatte: Gert Postel.

Postel nämlich hat es einst als zugegeben unsympathischer Hochstapler vom Bremer Postboten bis zum Psychopharmaka verschreibenden Klinik-Psychiater gebracht. Jede (kritische) Frage nach seinem Schwindel aber wehrte Postel vehement zurück – bis selbst Olli Schulz seine Abneigung nicht mehr verbergen konnte. Kachelmann, so urteilten Schulz und Böhmermann am Ende ihrer Sendung selbst, dürfte immer noch auf einer Mission sein, die er selbst herunterspielt, und Anika Decker, die unter anderem für die Drehbücher von Til Schweigers „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ verantwortlich ist, kam leider zu kurz. So war es nach einer knappen Stunde Talkversuch Kollegah, der dank Fanboy Schulz („Ich kenne alle Punchlines von ihm!“) die meiste Redezeit, aber wohl auch die meiste Sympathie der Zuschauer für sich verbuchen konnte. Der ach so böse und chauvinistische Rapper, der eigentlich Felix Blume heißt, stellte als einziger Gast gezielt Fragen an die anderen Gäste, kam somit dem angedachten Showformat einer Gesprächsrunde entgegen und bestätigte nicht nur ein paar Vorurteile über sich und seine Branche, sondern widerlegte andere auch. 

Das Grundproblem der Show blieb aber eines, das bei „Roche & Böhmermann“ noch gravierender war: Jeder Gast kommt zu kurz. Das Format mit seinen zusätzlichen Einspielern von Sibylle Berg und jeder Menge Spielregel-Vorgeplänkel will das so, aber als Zuschauer ärgert man sich auch, nicht von jedem der vier Gäste wenigstens ein bisschen mehr erfahren zu haben. Es muss ja nicht gleich in Lanz’sche Konventionen und Gefälligkeiten ausarten.



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