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Konzertbericht

Lieder über die Vergänglichkeit der Dinge

von

Lauter geht es aber auch: Am Ende von Fourth Of Julyschwappt ein bebender Bass in den Theatersaal, das eigentlich sparsame Gitarrenstück All Of Me Wants All Of Youwird mit seinem Elektro-Beat zu Stevens‘ Version einer Trip-Hop-Nummer. Und alles fließt in großem Bogen mit Stevens‘ schönem Gesang zusammen, der innerhalb von einem Atemzug vom Wispern in ein helles Falsett emporschießen kann. Immer wieder sieht man dazu idyllische Naturbilder: heranrauschende Wellen an eine geschwungene Küste bei Should Have Known Better oder einen rot glühenden Sonnenaufgang über Tannenwipfeln bei Eugene: „I still pray to what I cannot see“ singt er im Licht eines Scheinwerferkegels und seine Band antwortet mit einem gespenstischen „Aaahaa“ aus dem Dunkel.

Geheimnisvoll ist sie, diese Welt von Stevens‘ CARRIE & LOWELL, die er mit einen extrem verlängerten, monoton mäandernder Outro von Blue Bucket Of Gold wieder verlässt. Erst danach, als er schon für eine Zugabe auf die Bühne zurückgekehrt ist, wird er zum ersten Mal das Wort an die Zuschauer richten und erzählen, wie befreiend es ist, diese traurigen Lieder vor Publikum zu spielen. Und dann wird er doch noch ein paar alte Songs spielen, von MICHIGAN und von ILLINOIS. Ganz am Ende heißt es in Chicago, „I made a lot of mistakes“ – dieser Abend gehört nicht dazu.

Sufjan Stevens live im Berliner Admiralspalast am 16. September 2015 – die Setlist:

Death With Dignity
Should Have Known Better
Drawn to the Blood
Eugene
John My Beloved
The Only Thing
Fourth of July
No Shade in the Shadow of the Cross
Carrie & Lowell
The Owl and the Tanager
All of Me Wants All of You
Vesuvius
Blue Bucket of Gold (extended)

Zugabe:
Concerning the UFO Sighting Near Highland, Illinois
Heirloom
For the Widows in Paradise, For the Fatherless in Ypsilanti
Futile Devices
John Wayne Gacy, Jr.
Chicago



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