Highlight: Was wurde eigentlich aus… Echt?

Postgrungerock-Erinnerung

Was wurde eigentlich aus… der Alternative-Rock-Band Live und ihrem Sänger Ed Kowalczyk?

Es gibt Reunions, auf die die Rock- und Popwelt wartet. Auf eine von The Smiths zum Beispiel (unwahrscheinlich). Von Oasis (wahrscheinlicher). Von Abba (als Hologramm). Oder gar Guns N’Roses (schon geschehen). Dann gibt es solche, die so unvermeidlich wie egal sind. Die von Tic Tac Toe, Caught In The Act, Aqua oder der Kelly Family, zum Beispiel. Und dann gibt es die, die irgendwo zwischen „braucht kein Mensch“ und „warum nicht?“ stehen und ein wenig ratlos machen. Enter: Live.

Die Band mit dem nicht unbedingt suchmaschinenoptimierten Namen machte sich in den Neunzigern im Fahrwasser von Grunge und R.E.M. auf, eine dramatische Version von Rockmusik unters die Leute zu bringen und tat das anfangs mit veritablem Erfolg: Ihr zweites Album THROWING COPPER traf 1994 einen Nerv und landete entsprechend auf Platz eins der US-Charts. Pathetische Alternative-Rock-Hits wie „Selling The Drama“, „Iris“, „I Alone“ oder die Ballade „Lightning Crashes“ gehörten damals auf jedes Mixtape, wenn man ein Mädchen beeindrucken wollte oder selber eines war. Das Spiel mit der Laut-Leise-Dynamik und den großen Gesten beherrschten Live aus Pennsylvania sicher, ihr Sänger Ed Kowalzcyk beeindruckte seinerzeit mit Stimmhöhe und Charisma. Er machte nebenbei Musik mit Anouk, Neneh Cherry, Adam Duritz (Counting Crows), Tricky und Slash. 1999 war er zudem in einer Nebenrolle in „Fight Club“ zu sehen.

Mit SECRET SAMADHI gelang Live 1997 ein Anschlusserfolg, danach ging es stetig bergab. Sie veröffentlichten vier weitere Alben, trennten sich 2009, Kowalczyk wurde von seinen ehemaligen Band verklagt und versuchte sich danach als Solokünstler. Mutmaßlich weil sowohl er – beide Soloalben floppten – als auch die restlichen Bandmitglieder mit neuem Sänger (Chris Shinn) keineswegs an die alten Erfolge anknüpfen konnten, machen Live, wie wir sie aus den Neunzigern kennen, seit 2017 wieder gemeinsame Sache.

Die Reunion ging damals zuerst aus zwei Facebook-Postings von Kowalczyk hervor. Erst korrigierte Ed Kowalczyk das Titelbild seiner Facebookseite um den erklärenden Zusatz, dass er der Kowalczyk der Band Live sei. Ihr Logo war dort ebenfalls wieder zu sehen.

Und dann teilte er Foto von der offiziellen Facebookseite von Live, die wiederum ein Foto aus alten Tagen posteten. Wie jung sie damals waren! Und wie Boyband-mäßig eine Rockband aussehen konnte!

Es folgte ein gemeinsamer, Achtung Wortwitz, Liveauftritt am Silvesterabend 2016, diverse weitere Konzerte im Laufe des neuen Jahres und, im August 2018, die zwei neuen „Love Lounge“ und „Be a Giver, Man“. Am 12. Oktober des selben Jahres erschien Lives neue EP LOCAL 717. Nochmal richtig wissen wollten sie es dann im Sommer 2019: Gemeinsam mit Bush und Our Lady Peace, also zwei anderen einst weltbekannten Postgrunge-Bands, gingen sie auf „ALTimate“–Tour, um die 25. Geburtstage ihrer jeweiligen Durchbruchsalben THROWING COPPER, SIXTEEN STONE (Bush) und NAVEEN (Our Lady Peace)  zu feiern. Und wohl auch die Tatsache, dass es sie noch beziehungsweise wieder gibt.

Wieder da mit engen Hosen: Live live am 22. September 2019 in Franklin, Tennessee
Wieder da mit engen Hosen: Live live am 22. September 2019 in Franklin, Tennessee

Terry Wyatt Getty Images for Pilgrimage Musi

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