Kritik

„Marriage Story“ auf Netflix: Scheidung unter Palmen

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Nicole geht zurück in ihre Geburtsstadt Los Angeles, ihre Familie um Mutter Sandra (Julie Hagerty) lebt noch immer dort. Sie geht ohne Charlie, aber mit Sohn Henry. Als Charlie für ein Wochenende zu Besuch kommt, reicht man ihm dort prompt die Scheidungspapiere.

Nicole lässt sich bei der Scheidung von der knallharten Anwältin Nora (Laura Dern) vertreten. Charlie, der unglücklich damit ist, dass die Scheidung über das Gericht geklärt werden muss, tut sich schwer mit der Situation. Weil er muss, nimmt er sich letztendlich auch einen Anwalt, nämlich den gutmütigen Bert Spitz (Alan Alda). Der Rechtsstreit findet in Los Angeles statt, womit sich Charlie, der eigentlich in New York ein Theaterprojekt leiten muss, zwangsläufig arrangiert – und somit einer Coast-to-Coast-Scheidung einwilligt.

Mit steigendem Einfluss der Anwälte verschärft sich der Ton zwischen den beiden Parteien; da die Bandagen härter werden wechselt Charlie gar den Anwalt und wird nun vom ausgefuchsten Jay Marotta (Ray Liotta) vertreten. Die gegenseitigen Vorwürfe nehmen derweil kein Ende, vor allem aber übt die unbarmherzige Härte des amerikanischen Scheidungsrechts einen großen Druck auf Nicole und Charlie aus, bringt so ein Rosenkrieg doch nicht nur einen enorm hohen finanziellen, sondern auch einen seelischen Preis mit sich. Das kulminiert nicht nur in ständig schärferen Forderungen, sondern auch in einem heftigen Streit zwischen den beiden Noch-Eheleuten.

Fokus auf die Eltern

Der Autorenfilmer Noah Baumbach greift in „Marriage Story“ einige Motive aus früheren Filmen auf: Sein Talent für Porträts verquerer Familienverhältnisse zeigte er zuletzt bei der ebenfalls für Netflix produzierten Tragikomödie „The Meyerowitz Stories“, in der er sich einer New Yorker Patchwork-Familie voller exzentrischer Charaktere widmete.

Zudem ist „Marriage Story“ für Baumbach nicht der erste Film, in dem er sich einer Ehekrise inklusive Scheidung widmet. Schon in seinem Durchbruchsfilm „Der Tintenfisch und der Wal“ aus dem Jahr 2005 ließ sich das von Jeff Daniels und Laura Linney dargestellte Ehepaar scheiden. Damals legte Baumbach vor allem den Fokus auf die Auswirkungen, die die elterliche Trennung (sowie deren neue Beziehungen) auf die beiden Söhne hatte. In „Marriage Story“ verliert Baumbach nun zwar nicht das Schicksal des Sohnes Henry aus den Augen, fokussiert sich aber mehr auf die Wirren, die das Ehepaar selbst in diesem zehrenden Vorhaben durchlebt.



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