Kritik

„Marriage Story“ auf Netflix: Scheidung unter Palmen

von

Auch in der Filmgeschichte haben Scheidungsfilme eine gewisse Tradition: Ob im europäischen Autorenkino („Szenen einer Ehe“ von Ingmar Bergman) oder im amerikanischen Film („Kramer gegen Kramer“ von Robert Benton) – „Marriage Story“ ist nicht der erste Film, der diese menschliche Ausnahmesituation beleuchtet. Was Baumbachs Werk trotzdem besonders macht, ist die Schilderung des Irr-, ja Wahnsinns des amerikanischen Scheidungsrechts und den Auswirkungen, die es auf die beteiligten Menschen hat. „Marriage Story“ ist eine feinfühlig beobachtete Chronik eines zehrenden Prozesses und einer verlorenen Liebe geworden, der – und das ist sicherlich das wichtigste Signal – nicht die menschliche Note abhandenkommt.

Der Film profitiert vor allem von lebhaften Dialogen, die bei all der Schwere der Thematik auch immer mal wieder Raum für auflockernde und erleichternde Momente lassen. Auch die grandiosen Hauptdarsteller Scarlett Johansson und Adam Driver – mit letzterem arbeitete Baumbach bereits häufiger zusammen – spielen fulminant und facettenreich. In ihrer Nebenrolle als aalglatte Scheidungs-Anwältin weiß wiederum Laura Dern zu überzeugen.

Baumbachs Film lässt sich mit mehr als 130 Minuten Lauflänge viel Zeit und schafft so Raum für jegliche Gefühlsregung. In diesem Scheidungs-Battle zwischen West- und Eastcoast darf somit nicht nur viel gestritten und geweint, sondern auch mal gelacht oder gar gesungen werden. Davon profitiert „Marriage Story“ – ein Film, der realistisch und erschütternd, vor allem aber besonders ist. Und sicherlich ein Oscar-Kandidat.

„Marriage Story“ ist seit dem 06. Dezember 2019 auf Netflix verfügbar. Bereits ab dem 21. November wurde er in einigen Kinos gezeigt.



„Unbreakable Kimmy Schmidt: Kimmy vs. the Reverend“ auf Netflix – Die Wahl zwischen happy und glücklich
Weiterlesen